Pisa, Garfagnana, Ligurien – Tripping Europe Without Money 9

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Wenn du das hier liest, sind wir (leider!) schon wieder zurück in Deutschland. Das Bloggen von unterwegs geht nicht halb so schnell von der Hand wie das Füllen von Instagram-Stories. In den nächsten Tagen wird das Reisetagebuch dennoch vervollständigt werden, also bleib dran!

Pisa

Ein Betonparkplatz in Pisa, Bullenhitze und Mücken bis zum Abkotzen. Zwei Lichtblicke: In der Stadt des schiefen Turms werden wir wieder Mucke vor vielen Menschen machen und werden Renans Nichte Roberta und ihre Freundin Judith treffen, die gerade ebenfalls durch Europa work-and-travelen. Draußen in den Gassen zwei Erkenntnisse: Die Polizie mag keine Verstärker und die Italiener*innen sind weit weniger gebefreudig als wir das aus Deutschland gewohnt sind. Straßenmusik scheint hier einfsch nicht so’n Ding zu sein; drei Sets in Pisa bringen so viel ein wie eines in Düsseldorf oder Heidelberg, und bei Set zwei werden wir von den Carrabinieri zurechtgewiesen, auf den Verstärker zu verzichten.

Immerhin verläuft das Treffen mit Roberta und Judith wie geplant, die beiden begleiten uns auf unseren musikalischen Streifzügen und wir tauschen Reisegeschichten, Pläne und Empfehlungen aus. Abends im Camper lesen wir auf der Website eines weltweit gereisten Straßenmusikers, dass Italien generell zu den schwierigsten Pflastern gehören soll, er begründet das mit unklaren Regeln, willkürlichen Polizisten und wenig Verdienst. Ziemlich groggy von der Hitze und den Mücken beschließen wir die Biege zu machen und verlassen die Stadt nach ein paar Stunden schlechten Schlafs am nächsten Morgen.

Garfagnana: Bugnano – Rauch und Ruinen

Aber wohin nun? Angenehmere Temperaturen, weniger Mücken und entspannte Menschen findet man meist in den Bergen, und die fangen in Gestalt der Garfagnana in der Provinz Lucca gleich hinter Pisa an. Das Hineinkommen gestaltet sich bloß schweriger als gedacht: dreimal scheitern wir an zu starker Steigung, zu engen Straßen oder zu tiefen Brücken, bis wir schließlich ein befahrbares Sträßlein in Richtung Ruderi di Bugnano finden, ein verlassenes Dorf nahe Lugano-Monti di Villa. Ein Einheimischer, der uns mit seinem 4×4-Pickup überholt, kennt das Dorf zwar nicht, meint aber, die Straße sei für uns trotz ausgeschilderter Breitenbeschränkung befahrbar. Ist sie auch, zumindest für Manu; die meisten Menschen hätten wahrscheinlich die Nerven verloren.

Oberhalb der Ruinenstadt bleiben wir an einer Anzweigung stehen. Kommen wir mit dem Camper da runter? Und falls nicht, kommen wir wieder rauf? Renan steigt aus und scoutet; schon die zweite Serpentine ist zu eng und steil, das wird nichts. Derweil muss Manu die Straße freigeben, die der Camper blockiert – und fährt die steile Abzweigung auf gut Glück bis zur ersten Kurve hinab. Die Frage, ob wir da wieder rauf kommen werden, wird sich also im Experiment beantworten. Jetzt suchen wir erst einmal die Ruinen von Bugnano.

Bugnano war eines von drei bewohnten Dörfern der Region Monti di Villa. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 983, aufgegeben wurde das Dorf wegen seiner ungünstigen Lage im Jahr 1832 und wird seither Stück um Stück vom Wald verschluckt. Irgendwie beruhigend zu sehen, wie schnell sich die Natur den Raum zurückerobert, wenn der Mensch sich zurückzieht … Wir erkunden die Geisterstadt und streichen um die Reste der einstmals rund 40 romanisch gebauten Häuser, vergessen den Camper für eine Weile und tauchen in die Vergangenheit.

Dann setzt Manu an, rückwärts den Hang hinaufzufahren. Hermine, Maja und Renan bleiben draußen, um das Gewicht zu drosseln. Die Chance, dass der Wagen unbeschadet oben ankommt, liegt gefühlt bei 50 Prozent – die Kupplung raucht und Manu muss alle paar Meter anhalten, damit der Schmu etwas abkühlen kann. Die 50 Meter sind eine Zitterpartie, aber nach einer halben Stunde ist’s geschafft Berta, so heißt der Camper übrigens, und Manu sind einfach ein fantastisches Team! Eine knappe Stunde stehen wir noch am Rand der engen Straße und lassen die Kupplung und den Motor abkühlen, dann visieren wir den nächsten Parkplatz an, den wir auf der Karte finden können.

Abrauchpause für Berta

Garfagnana: Montefegatesi & Orrido di Botri

Wie sich nach 20 Minuten Kurverei auf der engen Bergstraße herausstellt, werden wir mit dem schönsten Stellplatz der Welt belohnt – ein Aussichtspunkt mit Blick auf das Bergdorf Montefegatesi und mit einer Picknickbank, perfekt zum Runterkommen, Erholen und Entspannen.

Schon bei unserem ersten Besuch in Montefegatesi und dem ersten zaghaften Musikversuch bemerken wir, dass das Dorf irgendwie anders ist. Schnell lernen wir Menschen kennen, die uns nicht nur über die Geschichte und Eigentümlichkeiten der alten Siedlung in Kenntnis setzen, sondern uns auch einladen, Teil der Feierei zu werden. So kommt es, dass Renan nur wenige Tage nach unserer Ankunft ganz offiziell auf dem Dorfplatz spielt, allein und sogar ein wenig mit der Band, die für den Abend organisiert ist. Wieder ergeben sich neue Kontakte, und wir freuen uns sehr über Einladungen zum Essen, in einen privaten Pool und zu weiteren Konzerten und Kulturabenden. Wir fühlen uns wohl in diesem Kompaktdorf, das außerhalb der Saison herade einmal 170 Einwohner*innen ausfweist, die auf 840 Höhenmetern auch den rauen Jahreszeitrn trotzdem. Und über allem thront eine Statue Dante Alighieris, der die umgebende Landschaft als Vorlage für Teile seiner Götttlichen Komödie herangezogen haben soll.

„Die Originalität und Besonderheit von Montefegatesi findet sich in der freimaurerischen Bewegung des freien Denkens wieder, die in vielen Familien durch die Auswanderer verbreitet wurde. Der freie Denker wird nur bei seinem Begräbniss als solcher erkannt, das in enger konfessionsloser Form ohne den üblichen Begräbnissritus  durchgeführt wird und der Sarg mit der Fahne der Bewegung des freien Geistes  bedeckt zu Grabe getragen wird. Montefegatesi hat außerdem Dante Alighieri ein Denkmal auf dem höchsten Punkt des Dorfes errichtet. Es wurde 1908 mit den Spenden der Auswanderer Montefegatesis aus Amerika errichtet. Die Büste ist ein Werk des Bildhauers F. Petroni aus Lucca. Vom Standort des Denkmals aus kann man ein wunderschönes Panorama mit den Bergen Rondinaio, Tre Potenze, Mosca, Pratofiorito und Coronato bewundern. Eine andere Eigenschaft von Montefegatesi ist, dass unter den Einwohnern, vor allem den älteren, eine nicht gewöhnliche Kenntnis der klassischen Literatur , der Texte von Omer, Virgilio, Dante und Ariosto vorhanden ist, die während den winterlichen Abendunterhaltungen praktiziert und erlangt wurde. Erbe dieser Lesungen sind die Taufnamen vieler Einwohner, wie z.Bsp. Anchise. Aiace, Creso, Egeo, usw.“

Quelle: „Montefegatesi“ auf BagniDiLuccaTerme.info; https://www.bagnidiluccaterme.info/de/argomento/Paesi-di-Bagni-di-Lucca/Montefegatesi.html

Beim Erkunden der Umgebung stößt Manu auf einen Canyon, der in einem Bergtal hinter Montefegatesi mit Naturschönheiten lockt. Eigentlich wollten wir zurück ins Flachland, denn das einzige, was uns hier oben fehlt, ist ein beschwimmbares Gewässer. Doch nach einer mückenintensiven, heißen Nacht am Fluss Lima bei Fornoli zieht es uns zurück in die Berge und wir steuern den Canyon an, Orrido di Botri.

Die freundliche Besitzerin des einzigen Lokals am Platz erlaubt es uns, unser Riesenwohnmobil auf eine Art Picknickplatz hinterm Haus zu stellen und sagt ja zu unserem Angebot, Musik für die Gäste zu machen. Insgesamt zwei Hutkonzerte spielt Renan dort in den paar Tagen unseres Aufenthalts, im Gegenzug gibt’s großzügige Bewirtung, einen kalten Bergfluss und atemberaubende Natur, die wir über die Zeit erwandern.

Am Abend vor dem zweiten Konzert, zwei Tage vor unserer endgültigen Abreise aus diesem wundervollem Flecken in der Garfagnana, sind wir zum Pizzaessen nach Montefegatesi eingeladen, verbunden mit einem Abschiedskonzert für die Gäste des Circolo, der einzigen Gastronomie im Dorf. Die Menschen hier sind überwiegend herzlich und gerade die eingeborenen, alteingesessenen Montefegatesianer umspielt eine verschmitzte Freiheit – eine Freiheit, die tief in das philosophische Selbstverständnis des Dante-Dörfchens eingegraben ist. „Your freedom ends at the tip of my nose“, fasst Matheo zusammen, der mit seiner Frau aus dem Süden der USA hierher ausgewandert ist und in dessen Pool wir schwimmen durften. Menschen aus Australien, Großbritannien, anderen Teilen Italiens, Deutschlands und von anderswo leben hier mit den Montefegatesianer*innen. „Es ist komisch, aber das Dorf scheint sich seine Menschen zu suchen, nicht umgekehrt“, sagt Lucia aus Deutschland, die uns mit ihrem Mann zur Pizza ausgeführt hat. Nach dem Konzert und einem Absacker wandern wir durch die glühwurmerhellte Nacht zurück in den Canyon.

Hier spielen wir tags darauf das letzte Konzert und brechen am nächsten Morgen die Zelte ab – so schön das alles ist, wollen wir weiter, Strecke machen, Welt sehen und endlich mal am Meer sein. Obwohl längst klar ist: Schöne Flecken gibt es überall, und hetzen sollte man sich nun wirklich nicht, ist unser nächstes Ziel Finale Ligure. Das ist zwar ein gutes Stück die Küste runter, aber davor finden wir keine guten und bezahlbaren Optionen für einen Seegang.

Jane’s Addiction – Slow Divers

Ligurien: Finale Ligure

Manu zieht durch: Wir fahren die Küste entlang, machen über Nacht Pause auf einem Autohof bei Varazze und erreichen an Tag 33 das Meer bei Finale Ligure. Unser Stellplatz ist direkt am Wasser, über dicke Steine geht es mit etwas Geschick im die Salzfluten. Der bezahlte Platz hat sogar Duschen und WCs, purer Luxus also – abgesehen davon, dass wir eng an eng mit anderen Campern auf Asphalt stehen. Jetzt genießen mir mal ein wenig, und alle haben echt Lust auf Pizza.

Um Maut und Sprit und die Platzmiete und die Pizza zu kompensieren, steht – nach den besonderen Konzerten in der Garfagnana – mal wieder klassische Straßenmusik auf dem Programm. Mit reduzierten Erwartungen (Pisa war eine Lektion in Genügsamkeit) suchen wir uns zunächst einen Platz an einer Straßenecke im Zentrum. Tatsächlich liegt die finanzielle Ausbeute eher im Pisa’schen Mittelfeld, aber die Menschen machen das wieder wett: Eine Frau bleibt stehen und hört sichtlich gerührt unter Tränen zu, erzählt in einer Pause, dass ihr Mann ebenfalls Gitarrist und Sänger war und vor wenigen Tagen gestorben ist – sie erkennt ihn in Renan wieder und es entsteht ein sehr besonderer Moment der Vertrautheit und des Trostes unter völlig Fremden. Ein Rosenverkäufer, selbst mindestens so mittellos wie wir derzeit, schenkt Manu eine Rose und setzt sich zu ihr. Die Besitzer*innen der Lädchen und Restaurants hören zu und nehmen Anteil, und eine weitere Frau ist zu Tränen gerührt und muss von ihren Angehörigen behutsam weitergezogen werden – aus Gründen, die wir nie erfahren werden. „Das war eins der besten Sets, die du je gespielt hast“, sagt Manu. Und Renan ist, wie immer bei diesem Bullenwetter, nassgeschwitzt bis auf die Unterhose. „Ich geh mich eben umziehen und frischmachen, dann spielen wir noch ne Runde.“ Gesagt, getan, und während Renan zum Stellplatz schlurft, lernt Manu einen Straßengaukler kennen, der uns einlädt, am nächsten Tag zu ihm und seinen Kolleg*innen – allesamt fahrendes Künstlerpack – zu stoßen und Teil der Truppe zu werden. Was für Aussichten!

Das zweite Set am Lungomare vor einem Restaurant endet trotz herzlichen Zuspruchs, insbesondere des Lokalpersonals, verfrüht, weil innert kurzer Zeit zwei Saiten reißen umd es für die zweite keinen Ersatz mehr gibt. Wir erkundigen uns nach einem Gitarrenladen – doch der nächste ist ein paar Städte entfernt. Damit steht ein Plan für morgen: Neue Saiten kaufen, dann zurück nach Finale und zu unseren neuen Freunden aus dem Straßenshowbusiness.

Ligurien: Camper-Crash in Albenga

Der Gitarrenladen befindet sich in Albenga. Auf dem Weg dorthin beginnt Berta zu schwächeln: Die Batterieleuchte leuchtet, die Tank- und Temperaturanzeige spinnt. Während Renan im Laden ist, parkt Manu auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe, und als alle wieder in der Berta sitzen, will das alte Mädchen nicht mehr zünden. Manu kontaktiert den ADAC, nach viel Warterei und einem missglückten Reparaturversuch vor Ort ist klar: Wir müssen uns ein Zimmer nehmen, Berta wird am nächsten Tag abgeschleppt werden. Dank der ADAC-Plus-Versicherung bedeutet das aber nicht das Aus unseres Experimemts: Die Übernachtungs- und Mechanikerkosten trägt der ADAC, wir werden voraussichtlich nur die Materialkosten begleichen müssen. Wie viel das ist, ist schwer zu sagen. Wir nehmen das Ganze gelassen und freuen uns auf drei Nächte BnB in Albenga. Sollte Berta dann nicht fit sein, müssen wir wohl oder übel aufs Zelt oder Couchsurfing umsteigen, denn Unterkünfte in unserem Budgetrahmen gibt es weit und breit keine.

Berta kann nicht mehr – Endstation Albenga.

Glück im Unglück: Das gewählte BnB und Albenga im Allgemeinen entpuppen sich als Volltreffer. Unser Gastgeber ist selbst ein Globetrotter und mal mit dem Fahrrad zum Nordkap gefahren, und Albenga ist ein Kleinod, was Kunst und Kultur anbelangt. Das Städtchen hat einfach einen guten Vibe und sogar ein paar nette Ecken für Straßenmusik. Es ist übrigens auch nicht zu verachten, mal wieder in einem geräumigen Doppelbett mit Smart-TV zu übernachten, eine eigene Dusche zu haben und alle sonstigen Annehmlichkeiten der postindustriellen, sesshaften Zivilisation.

Die Leute in Albenga sind cool und herzlich. Man merkt: Hier hat kaum jemamd viel, aber viele schmeißen zumindest ein paar Cents in den Hut, sogar viele sehr junge Leute, was uns in Finale Ligure schon aufgefallen war. Und vor der Kulisse der alten Stadt macht das Spielen sowieso Spaß, auch wenn die Wertschätzung wieder überwiegend nicht-materieller Natur ist.

Fleetwood Mac – Landslide

Am Wochenende ist Ausnahmezustand in Albenga. Es ist Palio-Zeit, und ein Mittelaltermarkt säumt die Festivitäten, in denen die historischen Stadtviertel in bunten Spielen gegeneinander antreten. Das ist einerseits ziemlich cool, andererseits nimmt uns das die Möglichkeit, Straßenmusik zu machen. Und da wir mangels Küche nicht kochen können, fallen unsere Pizzakosten höher als gewöhnlich aus. Zum Glück willigt ein Lokal, das etwas außerhalb der Altstadt liegt, in einen Musik-gegen-Verpflegung-Deal ein. Renan spielt eine gute halbe Stunde für die Gäste im Außenbereich, dafür gibt’s Pizza und eigentlich auch Wein – aber den lässt ein deutsches Pärchen springen, bevor das Lokal überhaupt etwas auftischt. Wir verbringen den Abend nach dem Konzert an ihrem Tisch und freuen uns über eine Einladung zur Finnischen Sauna in Süddeutschland bei nächster Gelegenheit.

Abends im BnB treffen wir im Atrium des BnB-Gebäudes auf eine kleine Palio-Aftershow-Gesellschaft, bestehend aus Akteur*innen der hiesigem Kulturszene. Schnell entsteht eine Jam-Session mit den anwesenden Musikern und der Abend endet mit einer Einladung, im nächsten Jahr auf dem Musikfestival der Stadt als Bühnengast aufzuspielen. Außerdem gibt es kaltes Bier vom Fass. Ein überaus gelungener Abschied!

Am Samstag packen wir unsere sieben Sachen und hecken einen Plan aus, Berta abzuholen, die vier Städte weiter repariert nahe der Werkstatt steht. Der Plan geht so: Manu fährt mit Maja mit dem Zug und läuft vom Bahnhof zur Werkstatt, Hermine und Renan fahren die gut 20 Kilometer mit dem Rad, wobei Hermine Manus E-Bike reitet und Renan mit seinem Treck-MTB den Anhänger mit unseren sieben Sachen und Hermines Fahrrad zieht. Im Grunde ein guter Plan, doch während der Fahrt stellen Hermine und Renan fest, dass es die meiste Zeit bergauf geht, ein permanenter Gegenwind weht und die Alternativroute zur Hauptstraße, die die Radwander-App vorschlägt, über sehr sportliche, sehr enge und teilweise unbefahrbare Hochgebirgssträßchen führt, die für Renan nicht zu schaffen sind. Drei Stunden, einige Liter Schweiß und drei Dutzend gerissene Nerven später sind wir dann trotzdem alle wieder vereint: Manu und Maja warten schon bei Berta, Hermine und Renan rollen ein, und der Trip kann weitergehen.

Ausblick

Der nächste Reiseabschnitt führt uns nach Frankreich und von dort weiter nach Spanien, wo wir einen sehr vertrauten Wandersmann treffen, der uns ein Stück begleiten wird. Du möchtest wissen, was dort passiert? Dann komm mit auf unseren Trip! Abonniere gern diesen Blog, schau dir unsere Instagram-Highlights an (spoiler alert!), klick dich in unserer Youtube-Playlist und sei Teil unserer Reise. Wer uns etwas in den Hut schmeißen möchte, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke und auf bald!

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English translation starts here

Attention: The English version is an automated translation by Deepl.com with slight edits. Thath makes it a longer read with less work on our side. We hope it has turned out well enough. MAKE SURE TO LOOK AT AND WATCH THE PHOTOS AND VIDEOS ABOVE!

By the time you read this, we’ll ( unfortunately!) be back in Germany. Blogging on the road is not half as fast as creating Instagram stories. Still, in the next few days the travel diary will be completed, so stay tuned!

Pisa

A concrete parking lot in Pisa, bull heat and mosquitoes till you drop. Two rays of hope: In the city of the leaning tower we will make music in front of many people again and will meet Renan’s niece Roberta and her friend Judith, who are currently also work-and-traveling through Europe. Out in the alleys two realizations: The police don’t like amplifiers and the Italians are much less munificent (money-wise) than we are used to from Germany. Street music doesn’t seem to be a thing here; three sets in Pisa bring in as much as one in Düsseldorf or Heidelberg, and at set two we are reprimanded by the Carrabinieri to do without the amplifier.

At least the meeting with Roberta and Judith goes as planned, they accompany us on our musical wanderings and we exchange travel stories, plans and recommendations. In the evening in the camper, we read on the website of a world-traveled street musician that Italy in general is supposed to be one of the most difficult places, he justifies this with unclear rules, arbitrary policemen and little earnings. Pretty groggy from the heat and the mosquitoes we decide to make the turn and leave the city after a couple of hours of bad sleep by morning.

Garfagnana: Bugnano – smoke and ruins

But where to go now? More pleasant temperatures, fewer mosquitoes and relaxed people are usually found in the mountains, and they start in the form of the Garfagnana in the province of Lucca just behind Pisa. Getting there turns out to be more difficult than we thought: on three occasions we fail because the slope is too steep, the roads too narrow, or the bridges too deep, until we finally find a passable little road in the direction of Ruderi di Bugnano, an abandoned village near Lugano-Monti di Villa. A local, who overtakes us in his 4×4 pickup, doesn’t know the village, but thinks that the road is passable for us despite the signposted width restriction. It is, at least for Manu; most people would probably have lost their nerve.

Above the ruined city we stop at a junction. Can we get down there with the camper? And if not, can we get back up? Renan gets out and scouts; looking at the second serpentine, it’s already too narrow and steep, it’s not going to work. Meanwhile, Manu has to clear the road that the camper is blocking – and drives down the steep turnoff to the first bend on spec. So the question whether we will get back up there will be answered in an experiment. Now we are looking for the ruins of Bugnano.

Bugnano was one of the three inhabited villages of the Monti di Villa region. The first documented mention dates back to 983, abandoned in 1832 because of its unfavorable position, the village has since been swallowed up piece by piece by the forest. Somehow reassuring to see how quickly nature reclaims the space when man retreats … We explore the ghost town and brush around the remains of the once about 40 Romanesque-built houses, forget the camper for a while and dive into the past.Then Manu starts to drive backwards up the slope. Hermine, Maja and Renan stay outside to keep the weight down. The chance of the car arriving at the top unharmed feels like 50 percent – the clutch smokes and Manu has to stop every few meters to let the machine cool down a bit. The 50 meters are a nail-biter, but after half an hour it’s done Berta, which is the name of the camper by the way, and Manu are simply a fantastic team! For about an hour we stand at the edge of the narrow road and let the clutch and the engine cool down, then we aim for the next parking lot that we can find on the map.

Garfagnana: Montefegatesi & Orrido di Botri

As it turns out after 20 minutes of winding along the narrow mountain road, we are rewarded with the most beautiful pitch in the world – a viewpoint overlooking the mountain village of Montefegatesi complete with a picnic bench, perfect for winding down, relaxing and recharging our batteries.

From our first visit to Montefegatesi and our first tentative attempt at music, we notice that the village is somehow different. We quickly get to know people who not only tell us about the history and peculiarities of the old settlement, but also invite us to become part of the celebration. So it happens that only a few days after our arrival Renan officially plays on the village square, alone and even a little bit with the band that is organized for the evening. Again, new contacts are made and we are very happy to receive invitations to dinner, to a private pool and to more concerts and cultural evenings. We feel at home in this compact village, which in the off-season has just 170 inhabitants, who live at an altitude of 840 meters, even in the harshest of seasons. And above it all is a statue of Dante Alighieri, who is said to have used the surrounding landscape as a model for parts of his Divine Comedy.

„Montefegatesi was particular for its Freethinker Movement used by lots of families brought by the emigrants.The founder of this movement became well known only on the day of his funeral when his coffin was brought to the cemetery drapped with a white flag of the ‚Association of the Freethinker‘. Montefegatesi has also dedicated a monument to Dante Alighieri on top of the village it was built in 1908 by a sculptor of Lucca F. Petroni, where this monument is placed theres a fantastic view of Monte Rondinaio, delle Tre Potenze, il Mosca, Pratofiorito and il Coronato. Another characteristic of the village is that a lot of the old people had a fair knowledge of classic literature from Omero, Virgilio, Dante and Ariosto. From these readings they have heritage forenames of many local people like Anchise, Aiace, Creso and Egeo. There are also monuments to Garibaldi and Vittorio Emanuele.“

Source: „Montefegatesi“ on BagniDiLuccaTerme.info; http://www.bagnidiluccaterme.info/en/argomento/Paesi-di-Bagni-di-Lucca/Montefegatesi.html

While exploring the surroundings, Manu comes across a canyon that beckons with natural beauty in a mountain valley behind Montefegatesi. Actually, we wanted to return to the lowlands, because the only thing missing up here is a swimmable body of water. But after a mosquito-ridden, hot night on the Lima River near Fornoli, we are drawn back to the mountains and head for the canyon, Orrido di Botri.The friendly owner of the only restaurant at the place allows us to put our giant camper on a kind of picnic area behind the house and says yes to our offer to play music for the guests. Renan plays a total of two hat concerts there in the few days of our stay, in return we get generous hospitality, a cold mountain river and breathtaking nature, which we explore over time.The evening before the second concert, two days before our final departure from this wonderful part of Garfagnana, we are invited to Montefegatesi for a pizza dinner, combined with a farewell concert for the guests of the Circolo, the only restaurant in the village. The people here are mostly warm, and the native, long-established Montefegatesians in particular have a mischievous freedom about them – a freedom that is deeply ingrained in the philosophical self-image of the Dante village. „Your freedom ends at the tip of my nose,“ sums up Matheo, who emigrated here with his wife from the southern United States and in whose pool we were allowed to swim. People from Australia, Great Britain, other parts of Italy, Germany and elsewhere live here with the Montefegatesians. „It’s funny, but the village seems to seek out its people, not the other way around,“ says Lucia from Germany, who took us out for pizza with her husband. After the concert and a nightcap, we walk back to the canyon through the firefly-lighted night.

Here we play the last concert the next day and strike camp the next morning – as beautiful as all this is, we want to continue, cover distance, see the world and finally be at the sea. While it has long become clear that there are beautiful spots everywhere, and you really shouldn’t be in a hurry, our next destination is Finale Ligure. That’s a good bit down the coast, but we can’t find any good and affordable options for a seaside getaway up ahead.

Liguria: Finale Ligure

Manu pushes through: We drive along the coast, take a night break at a car port near Varazze and reach the sea at Finale Ligure on day 33. Our campsite is directly at the water, over thick stones and with a little skill it leads into the salty tide. The paid place even has showers and toilets, pure luxury thus – apart from the fact that we stand close to close with other campers on asphalt. Now we relax a little bit and all of us really crave for pizza.In order to compensate for the toll and the gas and the pitch rental and the pizza, classical street music is once again on the agenda – after the special concerts in the Garfagnana.

With reduced expectations (Pisa was a lesson in frugality) we first look for a place on a street corner in the center. In fact, the financial yield is rather in Pisa’s midfield, but the people make up for it: a woman stops and listens visibly moved with tears, tells in a pause that her husband was also a guitarist and singer and died a few days ago – she recognizes him in Renan and there is a very special moment of familiarity and comfort among complete strangers. A rose seller, himself at least as destitute as we are at the moment, gives Manu a rose and sits down with her. The owners of the shops and restaurants listen and sympathize, and another woman is moved to tears and has to be gently pulled away by her relatives – for reasons we will never know. „That was one of the best sets you’ve ever played,“ Manu says. And Renan, as always in this bull weather, is sweating wet down to his underpants. „I’ll just go change and freshen up, then we’ll play another round.“ No sooner said than done, and while Renan shuffles off to the campsite, Manu meets a street performer who invites us to join him and his colleagues – all of them traveling artists – the next day and become part of the troupe. What a prospect!

The second set at the Lungomare in front of a restaurant ends early, despite warm encouragement, especially from the local staff, because within a short time two strings break and there is no replacement for the second. We ask around for a guitar store – but the next one is a few towns away. So we have a plan for tomorrow: buy new strings, then back to Finale and our new friends from the street show business.

Liguria: Camper crash in Albenga

The guitar store is located in Albenga. On the way there, Berta starts to weaken: the battery light is on, the fuel and temperature gauges are goofing. While Renan is in the store, Manu parks in a small parking lot nearby, and when everyone is back in the Berta, the old girl won’t fire up. Manu contacts the ADAC, after a lot of waiting and a failed repair attempt on the spot it is clear: We have to get a room, Berta will be towed the next day. Thanks to the ADAC-Plus insurance, however, this does not mean the end of our experiment: The ADAC will pay for the overnight stay and mechanic costs, we will probably only have to pay for the material costs. How much that is, is hard to say. We take the whole thing calmly and look forward to three nights BnB in Albenga. If Berta should not be fit then, we must change willy-nilly to the tent or Couchsurfing, because accommodations in our budget frame there are far and wide none.Luck of the draw: The chosen BnB and Albenga in general turn out to be a hit. Our host is a globetrotter himself and once biked to the North Cape, and Albenga is a gem in terms of art and culture. The town just has a good vibe and even a few nice corners for street music. By the way, it’s not to be sneezed at to sleep in a spacious double bed with smart TV, have your own shower and all the other comforts of post-industrial, sedentary civilization.

The people in Albenga are nice and warm. One realizes: hardly anyone has much here, but many throw at least a few cents into the hat, even many very young people, which we had already noticed in Finale Ligure. And against the backdrop of the old town, playing is fun anyway, even if the appreciation is again mainly non-material.

This weekend there’s bedlam in Albenga. It’s Palio time, and a medieval market lines the festivities, in which the historic districts compete against each other in colorful games. On the one hand, this is pretty cool, but on the other, it deprives us of the opportunity to play street music. And since we can’t cook for lack of a kitchen, our pizza costs are higher than usual. Fortunately, a restaurant just outside the old town agrees to a music-for-food deal. Renan plays a good half hour for the guests in the outside area, in return there’s pizza and actually also wine – but a German couple jumps for it before the restaurant even serves anything. We spend the evening after the concert at their table and are happy about an invitation to the Finnish sauna in southern Germany on the next opportunity.

In the evening at the BnB we meet a small Palio aftershow society in the atrium of the BnB building, consisting of protagonists from the local culture scene. A jam session quickly develops with the musicians present and the evening ends with an invitation to play as a stage guest at the city’s music festival next year. There is also cold beer on tap. An extremely successful farewell!

On Saturday we pack our seven things and hatch a plan to pick up Berta, who is repaired four towns away near the workshop. The plan goes like this: Manu takes the train with Maja and walks from the station to the workshop, Hermine and Renan ride the good 20 kilometers by bike, with Hermine riding Manu’s e-bike and Renan pulling the trailer with our seven things and Hermine’s bike with his trek MTB. Basically a good plan, but during the ride Hermine and Renan realize that it’s uphill most of the time, there’s a permanent headwind blowing and the alternative route to the main road suggested by the cycling app leads over very sporty, very narrow and partly impassable high mountain roads that are not manageable for Renan. Three hours, several liters of sweat and three dozen torn nerves later, we are nevertheless all reunited: Manu and Maja are already waiting at Berta’s, Hermine and Renan roll in, and the trip can continue.

Outlook

The next leg of the journey will take us to France and from there on to Spain, where we will meet a very familiar wanderer who will accompany us for a bit. You want to know what happens there? Come along and join us on our trip! Feel free to subscribe to this blog, check out our Instagram highlights (spoiler alert!), hit our Youtube playlist and be part of our journey. If you want to throw something in our hat but can’t due to space-time continuum reasons – you can do that digitally: paypal.me/renancengiz. Thanks and see you soon!

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Heavy Metal, Polizei und endlich Ausland – Tripping Europe Without Money 8

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Seit einigen Tagen haben wir nur schlechtes oder gar kein Internet – sorry, dass es mit neuen Beiträgen derzeit länger dauert.

Von Heidelberg nach Tübingen

Über Heidelberg ist alles geschrieben – hier nur noch ein paar Straßenmusikvideos:

David Bowie – Space Oddity
John Frusciante – My Smile Is A Rifle
Tenascious D – Tribute

Unser nächster geplanter Stopp liegt eigentlich in der Schweiz; auf dem Weg nach Italien wollen wir dort Verwandte nahe Zürich besuchen. Als Manu einen Wegweiser nach Tübingen sieht, fährt sie spontan ab – „da müssen wir jetzt hin“. Unsere Freundin Sylvia Kirchherr, ebenfalls Musikerin, die oft und gern auf der Straße spielt, hatte ihr irgendwann einmal von der Stadt vorgeschwärmt. Also ab dafür!

Einen Umsonst-Stellplatz in Citynähe zu finden ist in Tübingen unmöglich. Zum Glück baut sich gerade die Kirmes fürs Wochenende auf, es steht ohnehin ein Haufen Camper und Wohnwagen auf der Festwiese herum, also stellen wir uns einfach dazu. Der Parkplatz ist nicht unbedingt ansehnlich, die Beschreibung „eine Müllhalde mit Schlaglöchern“ eines Googlenutzers ist nahe an der Wirklichkeit. Hermine sieht das nach einem verschlafenen Blick aus dem Fenster anders: „Sind wir schon in der Schweiz? … Ach, nein? Ich wusste gar nicht, dass Deutschland so schön ist!“ Damit beweist sie ein feines Gespür, denn Tübingen selbst ist es allemal. Hermine bevorzugt zwar den Schotterparkplatz, Manu, Renan und Maja wagen derweil ein erstes Straßenmusikabenteuer in der Altstadt, vor den Treppen auf dem Holzmarkt.

John Frusciante – So Would Have I

Nach einer gelungenen Runde vor tollem Publikum schauen wir uns die Stadt an – eine einzige Pracht. „Vielleicht die schönste Stadt in Deutschland, die ich bisher gesehen habe“, wagt Manu auszusprechen, und das heißt was.

Am nächsten Tag machen Renan und Hermine einen Ausflug, während sich Manu auf dem Stellplatz im Schmuckmachen versucht. Diesmal ist nicht nur City-Seeing, sondern auch Shoppen angesagt – ohne Geld, was hier explizit anschauen bedeutet und nicht Ladendiebstahl. ;) Am Mittag gibt’s ein kurzes Hallo mit Marty, Bassist bei Renans alter Band OLD H, der seit einigen Jahren in Tübingen lebt und gerade Zeit für eine kleine Führung hat. Ein zweites Straßenmusikset vor einem Kinderspielplatz endet erstmals auf unserer Reise verfrüht, ein Nachbar weist uns darauf hin, dass das Spielen hier verboten sei und um diese Uhrzeit erst recht. Hundert Meter weiter und eine Viertelstunde später sei es erlaubt, aber jetzt und hier, nein. Unser Publikum – Eltern, die dankbar für etwas Ablenkung von ihren lärmenden Kindern sind – signalisiert liebevoll, dass sich sonst niemand gestört fühlt, aber wir brechen dennoch ab und kehren zurück zum Camper.

Von Tübingen zum Wilden Michel

Dort empfängt uns Manu mit einer frohen Kunde: Einer der Campingplätze, bei dem sie angefragt hat, ob wir gegen Musik kostenfrei stehen und uns versorgen können, hat grünes Licht gegeben: Zum Wilden Michel heißt der Betrieb, eine Empfehlung unserer Freunde Natalie und Torsten. Konkret vereinbart ist nichts, außer erst einmal vorbeizuschauen und weiterzusehen – es steht ein Festival auf dem Campgelände an und mal gucken, ob und wie wir da reinpassen.

Also auf in den Hochschwarzwald nahe Furtwangen, wo wir am späten Nachmittag anlanden. Nach kurzer Suche finden wir Urs, den Obermichel, der uns willkommen heißt und eine Einweisung gibt. Das Festival – die Heavy Michel Days – steigt von Donnerstag bis Samstag, gespielt wird Metal und Punk, helfende Hände kann man gebrauchen und am Sonntag ist zweijähriges Michel-Jubiläum und der vierte Geburtstag des Sohnes von Urs und Ute, da dürfen wir auch gern dabei sein. Urs zeigt uns Schwimmteiche, Eventscheune, Waschräume, die Gesindestube und führt uns durchs riesige Anwesen. Schnell ist klar: Der Wilde Michel ist kein normaler Campingplatz. „Wir verstehen uns eher als Eventort, hier ist immer was los“, erzählt Urs. Konzerte, ausgefallene Hochzeitsfeiern, Partys und Festivals ziehen sich durch das Jahr, außerdem gibt es neben Stell- und Zeltplätzen noch Tiny Houses, ein Dachzeltdorf und mehr. Das Team besteht zu großen Teilen aus Menschen, die selbst in Michelhausen leben – eine kleine große Wahlfamilie.

Am nächsten Vormittag besprechen wir die Details mit Manu, der für die Personalplanung und allerlei anderes Festivalgeschehen zuständig ist. Die Manu und der Manu – das kann kompliziert werden, weshalb sich unsere Manu fortan als Neka vorstellt, ein Name, der sonst nur engeren Freunden vorbehalten ist. Der Manu hat gleich ein paar Aufgaben für uns; die Manu wird als Fahrerin fungieren, Renan wird Samstag ein Frühstücks- und Sonntag ein Jubiläumskonzert auf Hut spielen, und der Rest wird sich ergeben. Und Hermine darf sich mit ihrem Schmuck gern an den Michelmerchstand stellen.

Am Abend geht’s los, auf der kleinen Indoorbühne des großen Michelhauses eröffnen die Lumberjerkz und Astroking mit Punk und Spacemetal das Festival – aber bevor wir hier das gesamte Lineup durchkauen, können geneigte Leser*innen mit Instagramzutritt Näheres im Heavy-Michel-Story-Highligh nachspüren.

Am Freitag macht Manu die eine oder andere Fahrt und hilft später am Abend an der Wiesenbar aus, Renan hilft am Merchstand und später ebenfalls in der Bar. Die Musik ist nicht immer unser Ding, aber bei My Dying Faith stimmte auch nach der Show die Chemie so gut, dass wir sie gleich fürs kommende KPiP-Festival 2024 nach Rheinberg eingeladen haben.

Leider will das Wetter nicht so recht – es regnet auch am Freitag mehr als es nicht regnet, was in einem weiteren Rekordsommer grundsätzlich zu begrüßen ist, die Stimmung vor der großen Open-Air-Bühne aber etwas nass aussehen lässt. Das Publikum nimmt’s sportlich, mit Bier und Regenjacke; Punk und Metal geht auch bei Matsche gut, versichert uns eine Gruppe angereister Fans.

Für Hermine läuft es indes prima: Sie verkauft Schmuckstück um Schmuckstück auf Spendenbasis, ein Armbamd sogar für stolze 70 Euro.

Am Samstag beim Frühstück hat Renan seinen ersten Auftritt und haut müden und teilverkaterten Metalfans eine eigens zusammengestellte Playlist mit einem höher als gewöhnlichen Anteil Akustikpunk und -metal um die Ohren. Nicht ohne selbst müde und verkatert zu sein, die letzte Schicht im Getränkezelt endete spät in der Nacht und brachte einige Runden fürs Thekenteam mit sich. Dennoch: Alles klappt, das Set kommt an und der letzte Festivaltag nimmt seinen Lauf.

Für uns endet er mit einem feuchtfröhlichen Wringen: Erst will die Waschmaschine nicht abpumpen, dann der Trockner nicht trocknen. Das Ergebnis ist ein Haufen nasser Wäsche im eigenen Saft, den wir zu Dritt händisch auswringen und im Camper aufhängen, bevor endlich die wohlverdiente Nachtruhe beginnt. Wobei der Begriff Ruhe auf einem Metalfestival irreführt – wir sinken zu den krachenden Klängen der letzten Bands (Kategorie: nicht so unser Fall) in den Schlaf.

Am Sonntagmittag spielt Renan das Jubiläumskonzert, zwei Stunden wilde Musik für zwei Jahre Wilder Michel, inklusive Geburtstagsständchen für vier Jahre Sohn von Urs und Ute. Das Wetter ist wieder trocken und warm, die Stimmung locker und ausgelassen. Ein Gast, der eine mahe gelegene sehr exklusive Eventlocation betreibt, lässt 50 Euro in den Hut wandern, und bei „As long as you love me“ von den Backstreetboys wird sogar getanzt.

Backstreet Boys – As Long As You Love Me

Nach einem sehr schönen Konzert wird es Zeit Lebewohl zu sagen. Heute wollen wir es wirklich endlich in die Schweiz schaffen – endlich ins Ausland. Voller neuer und schöner Eindrücke und jeder Menge Heavy Metal im Gehirn verlassen wir den Wilden Michel winkend in Richtung Süden.

Schweiz – oder: der teuerste Schlüsselanhänger der Welt

Unser nächstes Ziel liegt in einem Dorf nahe Zürich, wo Renan Familie hat, die wir besuchen möchten. Außerdem lebt dort der junge Designer Taro Tega, der gerade mit seinem Modelabel Boba Staro an den Start geht. Der Weg dorthin verläuft problemlos; wir stehen für eine Nacht vor der Scheune des benachbarten Bauernhofs und verbringen einen schönen Abend und einen weiteren halben Tag mit den Tegas. Dann geht es weiter gen Italien.

Dieser Teil des Weges ist nicht von Glück gesegnet: Wir kämpfen über die gesamte Strecke mit Staus, und einige Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel hält uns die Kantonspolizei an: Gewichtskontrolle. Dabei stellt sich heraus, dass wir mit unserem Camper 20 Kilogramm Übergewicht auf die Waage bringen, was uns sage und schreibe 100 Schweizer Franken kostet, also rund 103 Euro. Ein harter Schlag für unsere Reisekasse! Immerhin schenkt uns die Polizei einen hochwertigen Schlüsselanhänger, den wir beschließen auf Ebay zu versteigern, um die Kosten zu kompensieren. Machen wir dann später.

Erholen in Italien

Irgendwann passieren wir die Grenze zu Italien – die Vignette für die Schweiz (42 Euro) gilt hier nicht mehr, stattdessen gibt’s Autobahnmaut für jeden Kilometer Schnellstraße. Tanken müssen wir ebenfalls, und schnell sind wir erneut um die 100 Euro los. Zum Glück haben wir uns in Deutschland einen guten Puffer eingespielt. Unser nächstes Ziel ist Pisa, aber vorher wollen wir mindestens einen Stopp einlegen. Unsere Nase führt uns an einen Fluss nahe Oriano, der witzigerweiser ebenfalls Taro heißt – von Taro zu Taro! Nach der langen Fahrt durch die halbe Schweiz und halb Norditalien haben wir eine Badepause verdient. Wir finden einen Platz nahe des Flusses, wo es keinen juckt, und beschließen für eine Nacht zu bleiben – und zu schwimmen, denn es ist bullenheiß. Außerdem braucht Manu ne Pause vom Durchziehen, die 3,5 Tonnen von 6,70 m Länge durch die Gegend zu kutschieren ist nämlich nicht ohne, zumal der Weg zum Stellplatz über eine sehr schmale Brücke führt, die in Deutschland maximal für Fußgänger zugelassen wäre.

Tags darauf beschließen wir über Land weiterzufahren und auf Sicht nach annehmlichen Plätzen zu suchen. Die Strecke führt u.a. über den Nationalpark Toskanisch-Emilianischer Apennin durch die Provinz Emiglia-Romana und ist ein Träumchen. Anhand der vielen verlassenen Ruinen, ehemaligen Restaurants und Campingplätze lässt sich erahnen, dass hier vor dem Bau der Autobahn eine frühe Tourismusader pulsierte; die Fahrt hat etwas Entschleunigend-Nostalgisches – vor allem als Beifahrer, denn Manu muss erneut ordentlich schalten und kurbeln.

Im Bummelmodus erreichen wir die Grenze zur Toskana und steuern eine versteckte Bucht am Fluss Magra nahe Standano an – die Straße dorthin ist nicht einmal auf Google Maps verzeichnet, das ist meist ein gutes Zeichen. Früher stand hier eine Brücke, die längst durch eine neue ersetzt wurde. Wenige hundert Meter hinter dem alten Brückenkopf entdecken wir im breiten Kiesflussbett ein Schwimmparadies und verbringen am Abend um am Folgetag viel Zeit im und am Wasser. Auch Maja hat sichtlich Spaß daran mit dem Rudel zu planschen – sie will immer dabei sein, bei allem, und glücklicherweise ist das in aller Regel auch möglich.

Der nächste Reiseabschnitt führt uns nach Pisa und von dort tiefer (bzw. höher) in die verwunschene Welt der Apenninen. Du möchtest wissen, was dort passiert? Dann komm mit auf unseren Trip! Abonniere gern diesen Blog, folge unserer Instagram-Story und unserer Youtube-Playlist und sei Teil unserer Reise. Wer uns etwas in den Hut schmeißen möchte, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke und auf bald!

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English summary starts here

Videos and photos are found above! Actually we wanted to go straight down to Switzerland after having left Heidelberg (see last post and initial videos above), but got stuck at two places on our way:

One is the city of Tuebingen, which is amazingly beautiful, where we stayed for one night and busked a little in the city center (see video above). The second stop was a longer onee: Camp site „Zum Wilden Michel“ in the Black Forest invited us to volunteer at their punk and metal festival „Heavy Michel Days“, plus Renan got to play two concerts at the veranda – one for the festival community, and one for the second anniversary of the place itself that was celebrated a day after the festival had ended. Four more nights of not heading South, but so many nice impressions and people!

Having left the wild Michel hoard, we finally made it to Switzerland, to a small village near Zurich, where Renan’s cousin lives with her family. We’ve spent a night with these lovely people and could have stayed longer, but we feared to not get to the sea at all, slow as we are, so we said good bye the next day and moved on.

On our way to Italy, the Swiss police stopped us to check the weight of our van. Turns out it was 20 kg too heavy which resulted in a 100 CHF (~103 Euro) fine – a tough sum to withdrawel from our money sack! After all they gifted us a high quality, branded keybelt that we are gonna auction at Ebay to hopefully compensate some of the costs. We count on you! ;)

After a good ammount of traffic jams we hit Italy and looked out for some sweet wild swim spots. The first night we found one at river Taro, the next day one at river Magra. On the way we discovered the rich and sleepy beauty of the northern apennine mountains. After two relaxing days, it was time to hit a bigger city again to gain some money: Pisa, here we come! But this episode will be part of the next article.

More recent travel logs are found on Instagram, videos can be watched over at youtube. Make sure to subscribe wherever it’s best for you! We’re happy about followers, recommendations, invitations or even donations (paypal.me/renancengiz). Thank you!

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Heidelberg – Tripping Europe without money 7

Scroll to end for English summary!

„Seht zu, dass ihr möglichst lange bleibt, ihr werdet euch später wünschen, wieder hier zu sein – du weischt ja, wie man sagt: Du verlierscht dei Herz in Heidelberg“, sagt der Crêpeverkäufer am Skateplatz. Das hier ist unser zweiter Stellplatz, seit wir Düsseldorf verlassen haben – endlich. Es war nämlich so:

Abschied aus Düsseldorf

Der Verstärker, auf den wir die ganze Zeit gewartet hatten, kam so dermaßen verspätet an, dass wir erst am Donnerstag, den 22. Juni, die Stadt verlassen konnten. Dafür aber mit einem Roland Street Cube EX und mit Hermine. Eigentlich wollten wir uns in Paris mit ihr treffen, doch durch die Verzögerung ging der Plan nicht auf, und weit vorausplanen ist bekanntlich eh nicht unser Ding. Hermine hat jetzt Schulferien und ist am Donnerstagnachmittag nach einer sehr langen Zugfahrt mit Streckensperrung und allen Bahnschikanen in Düsseldorf angekommen. Eine Lagebesprechung ergab: Auf Baskenland und Portugal hat sie eh weniger Lust, aber Heidelberg und dann weiter südwärts, ja, das wäre drin. Also los!

Eine kuriose Sache am Verdienen mit Straßenmusik: Man hat sehr viel Kleingeld. Entsprechend lang ist die Schlange hinter uns am Parkautomaten. Zum Glück hat die Edeka-Kassiererin am Tag zuvor unser Säckle mit einem Euro in Rotgeld angenommen, so war das schon mal weg. Zu klein darf man die Automaten auch nicht füttern, irgendwann läuft die Zeit ab, ist uns so schon bei einem Ubahnticketkauf passiert. Diesmal brauchts aber nur wenige Minuten zum Bezahlen für zwei Nächte Parken direkt am Rhein – der erste Luxus, den wir uns leisten; immerhin 18 Euro pro angebrochene 24 Stunden.

Zum Glück sind unsere Taschen gefüllt und der Tank noch halbvoll. Düsseldorf ist wirklich ein vortreffliches Pflaster für Straßenmusik, wenn man einmal weiß, wann und wo es gut klappt. Ob das in Heidelberg ähnlich sein wird?

Hallo Heidelberg!

Nach knapp vier Stunden Fahrt erreichen wir am Donnerstag mit hereinbrechender Dämmerung zunächst den Heiligenberg, einen vor Heidelberg gelegenen Hügel mit langer Geschichte: Die Kelten haben hier ihre Spuren hinterlassen, darunter das rätselhafte Heidenloch, von dem niemand genau weiß, was es damit auf sich hat – ist es ein Brunnen? Eine Kultstätte? Auf jeden Fall ist es ein sehr tiefes Loch, das senkrecht in den Boden sticht.

Unweit gibt es alte christliche Klosterruinen zu bestaunen, und ein gigantisches Freilichttheater, die Thingstätte, deren Name ebenfalls eine Historizität impliziert, die jedoch in der NS-Zeit im Rahmen der von den Nazis gekaperten Thing-Bewegung errichtet wurde. In jüngerer Vergangenheit hielten die Heidelberger hier selbstverwaltete Feste ab, etwa Walpurgisnachtfeiern, was aber von der Stadt unterbunden wurde: „Zu wenig Sicherheitspersonal, zu wenig Licht, keine Umzäunung des Geländes“, erklärt uns der Sohn einer Heidelberger Straßenmusikerin auf der Alten Brücke (Namen leider vergessen, meld dich gern, falls du das liest!). „Deswegen gibt es jetzt zu den entsprechenden Terminen ein Großaufgebot an Sicherheitsleuten, Flutlicht und eine Absperrung des Geländes, um das Verbot durchzusetzen – das ist ein gern zitiertes Sinnbild für die Heidelberger Kulturpolitik“, witzelt er.

Dort also kommen wir an, stehen auf dem großen Waldparkplatz, und als wir gerade zu Abend essen wollen, rollt unser Camper plötzlich rückwärts – trotz gezogener Handbremse. Wir parken um, stehen nun anders geneigt, und nehmen uns vor, jemanden zu finden, die oder der uns die Handbremse nachzieht. Am nächsten Vormittag erkunden wir die Gegend und machen ein paar Aufnahmen an der Thingstätte – hier entsteht unser zweites Video aus der Reihe Musik an besonderen Orten. Dann fahren wir runter in die Stadt und suchen uns einen Stellplatz am Skatepark, direkt am Neckarufer.

Renan, Hermine und Maja auf der Thingbühne.

Straßenmusik in Heidelberg

Dann tauchen wir ein in die Heidelberger Straßenmusikwelt: Am Freitagnachmittag gibt’s ein erstes Set auf der Alten Brücke, wo wir direkt Bekanntschaft schließen mit oben erwähntem sympathischen Jungen Mann aus der Straßenmusikfamilie. Kurz nach Ende des Sets gesellt sich Michael dazu, unser Stellplatznachbar und ebenfalls Gitarrist, und spielt spontan ein, zwei Lieder – das erste Mal auf der Straße, mit Verstärkung und vor Publikum. Nach uns spielt ein junger Akkordeonspieler auf, ebenfalls ein Bekannter von Michael, dem wir gemeinsam zuhören während wir die Nachmittagssonne genießen.

Offiziell ist das Straßenmusizieren in Heidelberg streng reglementiert: „Du wirst es nicht glauben, es gibt eine eigene Verfahrensbeschreibung dafür“, schreibt uns Ratsherr Björn Leuzinger, der in Heidelberg für Die PARTEI Politik macht, und den Renan auf einer Fortbildung in Brüssel kennen gelernt hat. In der Altstadt gibt es einige wenige Zonen, in denen zu bestimmten Zeiten musiziert werden darf. Eine davon zeigt uns unser Kollege am Akkordeon sogleich – es handelt sich um einen Verkehrsknotenpunkt mit zig Bus- und Bahnhaltestellen; viele Menschen, aber auch viel Eile und Lärm. Auf dem Weg dorthin erweist sich unser Fahrradanhänger als große Hilfe, den uns Familie Assenmacher für die Reise überlassen hat. Verstärker, Gitarre, Mikroständer, Verpflegung und unterwegs gefundene Pfandflaschen finden darin mühelos Platz. So richtig gelohnt hat sich der Ausflug finanziell zwar nicht, aber für ein spontanes Gitarren-Akkordeon-Duett dann wieder schon. Wir merken allerdings bereits: Die Brücke scheint unser Ort zu sein, und angeblich ist dort abends weit mehr los. Das probieren wir gleich aus!

Vorweg: Es stimmt. Und der Empfang ist herzlich – schon vor dem eigentlichen Auftritt bekommen wir eine kühle Literflasche Vetter geschenkt, ein Heidelberger Hausbräu, und auch während der Show ist das Publikum und die Stimmung äußerst angenehm. Es gibt viel Applaus und die Menge fordert eine Zugabe, entsprechend gut gefüllt ist der Hut. Insgesamt hat uns der Tag gut 90 Euro eingebracht – nicht übel!

Der Abend hat uns auch einen neuen Kontakt verschafft: Florian Schreier ist Fotograf und hat Renan beim Spielen auf der Brücke geknipst, außerdem kennt er Manu aus seiner Zeit als Downhiller; wir verabreden uns für den folgenden Abend. Vorher nutzen wir den Samstag für Badegänge im Neckar, Faulenzwreien und Besuchen im Tauschregal, (das wir rasch als Wunachladen identifizierrn – man wünscht sich was, und meist ist es am nächsten Tag da) und verlaufen uns auf dem Weg zu einem der anderen offiziellen Spielspätten in der City. Dabei merken wir: Gespielt wird hier eh überall, also stellen wir uns auch irgendwo hin, mit zufriedenstellendem Erfolg. Kein Vergleich zur Alten Brücke freilich, zu der wir uns nun aufmachen. Während Manu und Hermine im Subway ein Sandwich kaufen und zwei halbe abstauben, die jemand liegen gelassen hat, trudeln auf der Brücke Florian und auch Michael ein. Michael übernimmt spontan das Vorprogramm, während Renan noch mal pinkeln geht. Dann wird die Brücke gerockt, und wieder ist’s super – standing ovations und Zugabe-Rufe, wenn auch gestern etwas mehr los war, da waren wir aber auch ne Stunde später dran. Wir lassen den Abend gemeinsam mit Flo am Camper ausklingen.

Das Thermometer stammt zwar nicht aus dem Wunschladen, aber aus einem der vielen Zu-verschenken-Kartons, die wie regelmäßig finden und durchstöbern, so auch in Heidelberg.

Der nächste Tag, Sonntag, birgt ein paar Überraschungen und endet mit einer Jamsession an Tims Crêpefahrrad. Aber von Anfang:

Nach dem Brunch führt uns ein Mittagsspaziergang an einen besonderen Ort, den Manu im Vorbeigehen beim Hundespaziergang entdeckt hat. Das Haus am Wehrsteig ist ein vermutlich nie in Betrieb genommenes Traffohaus des Stauwehrs bei Heidelberg-Wieblingen und war ab 1984 die Heimat der Künstlerin Eva Vargas. Heute ist es nach langem Leerstand Atelier, Museum und Kulturort zugleich. Wir treffen am letzten Tag der Ausstellung „Haus des Geistes oder Geisterhaus“ ein, in der die Geschichte des Hauses, seiner Bewohner- und Besucher*innen verhandelt ist. Kurator Matthis nimmt uns prompt mit auf eine kleine Privatführung, nachdem, wir ihm von unserer Arbeit am Spanischen Vallan erzählen, schließlich seien wir ja vom Fach. Tatsächlich weist seine und unsere Arbeit in den uns anvertrauten Gemäuern einige Ähnlichkeiten auf – ein erklärter Gegenbesuch wird hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft Wirklichkeit werden.

Am späten Nachmittag kapern wir die Bühne der NeckartOrte; das offizielle Programm ist vorüber, die Bar noch geöffnet und die Leute haben Lust auf Musik, also spielt Renan ein Set auf Hut am Neckarstrand in der Nachmittagssonne. Kurz danach kommt Biene zu Bühne, ebenfalls eine Bekannte von Michael und Singer/Songwriterin. „Hast du Bock auf ne Jamsession?“ Die Antwort manifestiert sich eine halbe Stunde später neben Tims Crêpefahrrad, bis weit nach Einbruch der Dunkelheit musizieren wir am Neckar, ein Abschiedskonzert für Heidelberg – morgen geht’s weiter, und wohin genau, weiß nur der Wind.

Wir sind sehr gespannt, wie es weitergeht … du auch? Dann komm mit auf unseren Trip! Abonniere gern diesen Blog, folge unserer Instagram-Story und sei Teil unserer Reise! Jetzt auch auf Youtube. Wer uns etwas in den Hut schmeißen möchte, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke und auf bald!

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ENGLISH SUMMARY STARTS HERE

The amp we have waited for so long finally arrives on Thursday – together with Hermine, whose school holidays have now begun. Now that we’re together, we’re flipping plans – instead towards Paris, we change directions towards Heidelberg and finally leave Düsseldorf behind.

In Heidelberg we first stop at the Thingstätte, an open air theater, to record a video – see this post for more info and the video! The next day, we park our campervan near a skatepark at the river Neckar not far from the city. In the evening we look for a good place for street music and find it on the Alte Brücke, an old bridge maibly for pedestrians. The street music vibes are great here, and we do quickly connect to a bunch of people who point out other places and valuable information to us. Our hat is well filled when we head home. We do also check out other busking venues, but none of them beats the bridge, which becomes our go-to spot for the days of our stay.

Oficially, busking is highly regulated in Heidelberg. A stroll through the city tells another story: Especially at the weekends the historic city center is full of musicians, and most of them know their job quite well. On our last day, we even hit a real stage – the city has set up some of them on the brinks of the Neckar for entertainment, each one comes with a bar. The one next to our camper van becomes a stage for Renan after the official program is over. That’s not especially allowed, but everyone, including the staff, seems to be happy about more music.

On our final day, we also discover an interesting old building, the Haus am Wehrsteig, which become a place for exhibitions, and run into the curator, who tells and shows us more about and of the place’s history, inhabitants and the modern use. It’s great how quickly you get to know people when you get recognized as vagabonds and arts people.

Our last evening in Heidelberg ends with a jam session next to our site, featuring our van neighbour Michael and a fellow musician of his, singer/songwrited Biene.

Thanks to everybody who has contributed to our forthcoming in any way – emotionally, financially or with goods. We feel so supported! To join our trip, feel free to follow this blog, surf our instagram-story and Youtube channel. Donations are welcome via paypal.me/renancengiz. Thank you!

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Music at special places #2 – Thingstätte Heidelberg | Tripping Europe without money 6

From time to time, we play music at special places that we encounter on our trip through Europe without money, and this is the second: The Thingstätte in Heidelberg on the Heiligenberg („holy mountain“). How we got there is featured in the next, upcoming blog post, so be sure to subscribe to this blog!

The giant theater was build in Nazi times, but the history of the mountain itself reaches much further into the past. Wikipedia has some info if you want to know more.

The song performed in the video is called „Once in a lifetime“ and written by German band Wolfsheim.

To make you be part of our journey from Rheinberg, Germany, to the southern brinks of Europe, we’re keeping track in our travel blog here on this very website, on Instagram and Youtube – we’re happy about followers, subscriptions, comments and recommendations!

You might also invite us over for a living room or garden concert! Please contact Manu at +49 176 24012269 (preferably whatsapp), use the contact form or DM us on Insta.

Thanks for being part of our trip! If you want to support us financially, donations can be made via https://paypal.me/renancengiz.

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Music at special places #1 – Atelier Denizli | Tripping Europe without money 5

From time to time, we play music at special places that we encounter on our trip through Europe without money, and this here is the first one: Featured in this episode is our visit at artist Yildirim Denizli’s atelier in Ratingen near Dusseldorf, Germany. What you see and hear in this video is a cover of John Frusciante’s song Low Birds/Penetrate Time in the beautiful surroundings of Yildirim’s art and craft.

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Manu’s perspective #1 – Tripping Europe without money 4

Manus erster Rückblick auf die vergangenen Tage – scroll to end for English summary!

Es ist endlich soweit: Wir sind unterwegs, bespielen die Plätze Europas mit Straßenmusik und haben lediglich das Kleingeld in der Tasche, was uns während dieser Reise in den Hut geworfen wird. Ein Experiment mit dem Arbeitstitel „Tripping Europe without money“.

Nachdem ich mich seit Monaten mit potenziellen Spielstätten, Reiserouten und Richtungen beschäftigt habe, musste ich am Ende feststellen, dass es einfach zu viele Optionen, sprich Möglichkeiten gibt, um mich für eine zu entscheiden. Daher ist nun der Plan, keinen Plan zu haben, einfach mal ins Blaue zu reisen und von Tag zu Tag schauen, was uns so widerfährt und wohin der Wind uns in unserem Wohnmobil treibt.

Ich habe selten einen so guten Straßenmusikanten wie meinen Lieblingsmenschen Renan Cengiz gesehen, daher mache ich mir wenig Sorgen darum, dass dieses Experiment nicht funktionieren können. Heute ist Tag vier unserer Reise, insgesamt wollen wir sieben Wochen unterwegs sein. Wir haben keinerlei monetäre Mittel bei uns, nur den Camper haben wir vor Beginn der Reise vollgetankt und einen Einkauf von Lebensmitteln für rund 65 Euro getätigt.

MITTWOCH

Wir starten mit einem Abschlusskonzert in unserer Heimatstadt Rheinberg am Niederrhein, viele Menschen kommen, um uns zu verabschieden und geben uns ein ordentliches Startkapital von unglaublichen 220 Euro mit auf den Weg. Abgesehen von diesem unglaublich fetten Batzen Geld, der in unserem Hut landet, läuft es jedoch sehr holprig an: Schon vor Beginn des Auftritts müssen wir feststellen, dass unser Verstärker das Zeitliche gesegnet hat. Bei der Abfahrt aus Rheinberg Richtung nach Düsseldorf, was unser nächster Stopp sein soll, fängt der Camper komisch an zu stinken und die Bremsen funktionieren nicht so wie sie sollten. Daher fahren wir direkt in Krefeld wieder ab und beschließen dort zu spielen und uns danach ein lauschiges Parkplätzchen im Stadtwald zu suchen.

Beides funktioniert nicht: Bei dem Gig reißt direkt eine Saite der Gitarre und nach zwei Liedern haben wir nichtmals einen Cent im Hut. Der Parkplatz ist wegen einer Veranstaltung völlig überfüllt und stellt meine Fahrkünste mit dem 6,80 langen Gefährt direkt gehörig auf die Probe. Also doch wieder Planänderung: Wir fahren weiter nach Düsseldorf, der Camper heilt sich selbst, stinkt nicht mehr komisch und die Bremsen funktionieren auch wieder normal. In Düsseldorf angekommen, ist die Straße gesperrt, welche wir eigentlich zum ausgewähltem Stellplatz hätten nehmen müssen. Zudem stellen wir fest, dass wir mit unserer orangenen Umweltplakette nicht befugt sind dorthin zu fahren. Der App „Park for night“ sei Dank, denn diese zeigt uns etwas außerhalb gelegen einen Stellplatz am Waldrand zwischen Ratingen und Düsseldorf an, welchen wir nun ansteuern.
Der Platz ist wunderschön und ab jetzt läuft alles rund, das Schicksal scheint es gut mit uns zu meinen.

DONNERSTAG

Wir schlafen gut und machen uns am nächsten Tag mit der U-Bahn in die Düsseldorfer Altstadt auf. Hier spielt Renan drei Sets von je 30 Minuten und zeigt, dass er für den Job als Straßenmusiker prädestiniert ist. Er begeistert nicht nur die Menschen mit seiner Stimme und seinen Gitarrenkünsten, sondern auch ich bin auf ein Neues tief beeindruckt von seinem Können und stolz wie Oskar. Auch unserer Hündin Maja scheint es zu gefallen, sie lässt sich gerne von verschiedensten Menschen streicheln und bekommt immer wieder gesagt, wie schön sie doch sei. Die Menschenmassen in der Altstadt machen ihr überhaupt keinen Stress und sie fährt U-Bahn und Rolltreppe, wie ein echter Großstadthund. Um circa 21:30 Uhr treten wir den Heimweg zum Camper an und sind schon wieder um 88 Euro reicher.

FREITAG

Wegen des erfolgreichen Auftaktes beschließen wir noch länger in Düsseldorf zu bleiben, zudem haben wir an unserem Stellplatz schon viele super liebe Menschen kennengelernt und fühlen uns rundum wohl. Wir entscheiden uns dazu eine neue Verstärkerbox anzuschaffen, weil Renans Stimme dieser Belastung auf Dauer wahrscheinlich nicht standhalten wird. Dadurch ist schon mal gesetzt, dass wir übers Wochenende noch hier bleiben werden, um am Montag hoffentlich unsere Bestellung abholen zu können. Gegen Nachmittag machen wir uns wieder auf gen Altstadt. In rund 70 Minuten füllt sich der Hut wieder auf rund 60 Euro. Zudem bekommen wir von netten und auch ziemlich betrunkenen jungen Männern eine Pizza geschenkt. Am Abend lädt uns Renans Vater, der in Düsseldorf wohnhaft ist, noch auf ein paar alkoholische Kaltgetränke und Nachos ein. Besser könnte es kaum laufen, zufrieden fallen wir ins Bett.

SAMSTAG

Der Camper ist unter wunderschönen Buchen geparkt und deren Schatten lässt uns heute lange schlafen. Als wir gegen 10:30 Uhr erholt aufwachen, stellen wir fest dass eine Tüte mit frischen Brötchen, Orangensaft und getrocknetem Entenfilet für Maja an unserem Camper befestigt wurde. Das muss die freundliche Dame gewesen sein, die hier des Öfteren mit ihrer Hündin vorbei spaziert und mit der wir schon nette Gespräche geführt haben.

Während unseres ausgedehnten Frühstücks entscheiden wir uns dazu, heute nicht zum Musizieren in die Altstadt aufzubrechen, sondern mal ein wenig zu chillen. In den späten Mittagsstunden brechen wir zu einer schönen Wanderung durch den anliegenden Wald auf. Am Abend besuchen wir einen befreundeten Künstler, der sein Atelier ganz hier in der Nähe hat. In dem beeindruckendem Zuhause von Yildirim Denizli gibt es eine Menge Skurrilitäten und starke, aussagekräftige Kunst zu sehen. Das Ambiente inspirierte uns dazu, spontan ein paar Songs aufzunehmen und damit unsere Unterwegsreihe „Musik an besonderen Orten“ zu starten. Nach ein paar schönen Stunden mit tollen Eindrücken, Musik und erlesenem Rotwein fallen wir zufrieden ins Bett.

Wir sind sehr gespannt, wie es weitergeht … du auch? Dann komm mit auf unseren Trip! Abonniere gern diesen Blog, folge unserer Instagram-Story und sei Teil unserer Reise! Jetzt auch auf Youtube. Wer uns etwas in den Hut schmeißen möchte, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke und auf bald!

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ENGLISH SUMMARY STARTS HERE

Time is finally due! After months of planning and the final decision to plan on having no fixed plan we’re off for tripping Europe without money, soley surviving on what we earn with street music and the like. I don’t worry too much as my beloved one Renan ist the best street musician I know, making the seven weeks will be adventurous, but far from impossible.

We’re staring on Wednesday with a goodbye concert in our hometown that brings in the incredible sum of 220 Euros. But from the start, problems arise: Our amplifier is broken from day one, and as we’re on the road, our campervan starts to smell funny and the breaks don’t work properly. That’s why stop by in the city of Krefeld instead of moving on to Dusseldorf as intended. Bad luck keeps striking: A street music set in Krefeld brings in zero Euros as a guitar string breaks within the first few minutes. We cancel the concert and try to find a space to stay for the night – in vain. Back to plan A: Dusseldorf. The campervan suddenly behaves normally and we’re finding ourselves a nice spot next to a forest out of town. From here, good luck is with us again.

After a good night’s sleep we take the ubahn to the city and Renan plays three 30 Minute sets, earning 88 Euros. I’m so proud of him and his skills! And also of our dog Maja who handles the challenges of the big city like a pro.

As things go smooth, we decide to stay a little longer and order a new amplifier to Renan’s father who’s living in Dusseldorf – playing without an amplifier is too much for Renan’s vooce, screaming against the city noises. During our second set, two guys show up and donate us a pizza. Even more people stop by and want to talk, which results in only 70 minutes overall playtime that day, but still 60 Euros in the hat. In the evening, Renan’s father invited us for some drinks and Nachos at the brinks of river Rhine. What a good day!

On the next morning, there’s a bag with tolls, juice and dog treats attached to on our van, a gift by a friendly lady who we’ve talked to occasionally as she’s doing her daily dog strolls. We feel very well taken care of and decide to take a day off of street music and chill a little. In the evening we visit the studio of befriended artist Yikdirim Denizli who works and lives in Ratingen, not far from our pitch. Yildirim’s place is impressive, his art has a strong voice and inspires us to give a little concert for the small audience and a camera. The video will be the first in our series „Music at special places“. After a couple of beautiful hours we head back and fall asleep …

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Still Düsseldorf – Tripping Europe without money 3

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Warum eigentlich immer noch Düsseldorf? Das hat zwei Gründe:

Zum Einen wollen wir bis Mitte der Woche ohnehin in der Gegend bleiben, weil unsere Tochter Hermine dann ihren letzten Schultag hat und mit dem Zug nachreisen wird – bestenfalls ohne groß umzusteigen.

Zum Anderen ist – wie erwähnt – unser Straßenmusikverstärker zur Hälfte kaputt gegangen, und da der zur Grundausstattung unseres Experiments gehört, haben wir einen neuen bestellt, der zu einem Familienmitglied in Düsseldorf geliefert wird – zurückfahren wollen wir dafür nicht. Eine neue Box war ohnehin fällig und Budget dafür vorhanden; nach einiger Diskussion haben wie den Kauf als gerechtfertigt klassifiziert, zumal wir einen Roland Cube Street im Sonderangebot erstehen konnten – perfekt für Straßenmusik in jeder Hinsicht.

Verstärker für Gitarre und Gesang sind eigentlich nicht erlaubt, werden aber von allen routinierten Straßenkünstler:innen verwendet. Mit der Stimme und Akustikgitarre allein kommst du im Elektrozeitalter nicht an gegen die Musiken der Läden, Bars, Cocktailstände; dazu gesellt sich die voluminöse Kakaphonie aus Sprechfetzen, Jubelschreien, Fangesängen, Absatzgeklacker und generischen Nebengeräuschen des Ausgehvolks, um dessen Aufmerksamkeit wir Straßenkünstler*innen buhlen und konkurrieren.

Renans Stimme war schon nach zwei Tagen derart strapaziert und angeschlagen vom Anschreien gegen den Stadtlärm, dass ein Verstärker allein aus medizinischen Gründen – Ordnungsamt hin oder her – unverzichtbar erscheint.

Verzichtbar hingegen sind Luxusartikel wie ein kaltes Bier von der Trinhalle. Auch darüber haben wir diskutiert und sind übereingekommen, dass die rund vier Euro, die uns das kosten würde, einfach nicht drin sind. Noch ist es einfach zu leben – wir sind mit vollem Tank, vollem Kühlschrank und vollem Hut in Rheinberg gestartet –, doch in einigen Wochen werden wir um jeden Euro kämpfen müssen. Und es geht auch anders:

In der Altstadt bespielen wir unter anderem die Kurze Straße. Die Stimmung ist leicht angenervt, weil wir nur etwas Brot gefrühstückt haben und die Mittagszeit längst überschritten ist, Hunger macht sich breit. Spiel dann mal ein Set neben nem Pizzaladen … Allein der Geruch macht einen verrückt.

Nur wenige Akkorde im ersten Lied, unterbrechen plötzlich zwei junge Männer die Darbietung: „Du musst auch mal Pause machen und was essen, Junge!“ Die beiden hätten zwar nicht mehr viel Geld in der Tasche, aber Pizza auf der Hand, die sie gern mit uns teilten. Gerade rechtzeitig!

Einfach genial, in diesen Flow zu tauchen, der dich augenzwinkernd lehrt: Meistens tun sich Wege auf, wenn du sie nur lässt – spring ins Wasser und du wirst schwimmen oder untergehen! Schwimmen, in diesem übertragenen Sinn, können wir offenbar einigermaßen, und das ist ein tolles Gefühl, das zu gleichen Teilen nach Schweiß, Nervenkitzel und Freiheit schmeckt.

Auch Maja kitzelt die Reise an den Nerven, aber sie schlägt sich prima. Großgeworden als Dorf- und Hofhündin hat sie nur wenig Großstadterfahrung. Schon an Tag zwei bekommt sie die Drehs aber raus: U-Bahn- und Rolltreppefahren sind bereits gelernt, und auch in den lauten Partystraßen inmitten besoffener Bezirksligafußballfanclubrotten und anderer merkwürdiger Gestaltenansammlungen bleibt sie ruhig und gelassen – sogar ein Schläfchen ist drin. Und dass sie alle gern mal streicheln würden, findet sie super, zumal die allermeisten Menschen vorher fragen, besoffen oder nicht.

Wir zwei beide und ein Stückchen Maja am Ende eines schönen Tages in der Altstadt und am Rheinufer.

Noch zwei schöne Erlebnisse, die uns optimistisch stimmen, die sieben Wochen durchzukommen:

Auf dem Weg in die Stadt begegnet uns gestern eine Spaziergängerin, die wir vom Stellplatz kennen, ihre Hunderunde führt an unserem Camper vorbei. Die freundliche Frau fragt uns, ob sie uns fürs Frühstück Brötchen an den Camper legen soll – sie sei ohnehin früh unterwegs und würde unser Abenteuer gern unterstützen. Wie zauberhaft ist das denn!

Ebenso zauberhaft ist der abendliche Blick in die Mails: Zwei Paypal-Spenden über insgesamt 50 Euro sind eingetrudelt, Spritkostenzuschüsse von lieben Menschen, die uns aus der Ferne unterstützen möchten. Noch dazu bekomen wir gestern von einem nahen Familienmitglied mit Wohnsitz in Düsseldorf nach einer Abendesseneinladung einen Hunderter für die Reisekasse zugesteckt. Wow. Das gibt uns einen ordentlichen Puffer für die Benzinkasse. Danke, danke, danke!

Auch an alle, die uns bisher mit Hutspenden auf den Straßenkonzerten unterstützt haben, geht ein Riesendank raus. Im Schnitt landen 0,8 bis 1 Euro pro Minute im Hut. Klingt viel, ist aber dennoch hart verdientes Geld. Renan gibt alles beim Musizieren, ist nach jedem Set (je 20–30 Min.) nassgeschwitzt und völlig k.o. Aber auch glücklich – es macht einfach Spaß, in diesem Theater mitzspielen, den Barden zu mimen und ein Stückchen Seele auf die Pflaster zu schälen.

Wir sind sehr gespannt, wie es weitergeht … du auch? Dann komm mit auf unseren Trip! Abonniere gern diesen Blog, folge unserer Instagram-Story und sei Teil unserer Reise! Jetzt auch auf Youtube. Wer uns etwas in den Hut schmeißen möchte, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke und auf bald!

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ENGLISH SUMMARY STARTS HERE

So we’re still in Dusseldorf – mainly for two reasons: First, our daughter will join us as soon as summer holidays have started and we want her to be able to easily reach us by train, so we stay in the vicinity. Second, as mentioned earlier: Our amplifier is broken and we have decided to order a new one, it will be delivered to a family member in Dusseldorf where we can fetch it. We need that thing to compete with the noise of the streets, otherwise Renan’s voice will be broken quite soon …

Besides, wonderful things happen as we’re going with the flow: People are gifting us pizza, rolls, juice and dogfeed without us asking for it, others donate money via paypal for our fuel cost coffer and many support us with kind words, smiles and compliments while flipping a coin into our street music hat.

Our dog Maja has meanwhile adapted to big city life: She has learned to ride the ubahn and escalator and keeps calm even in the most intense surroundings like inbetween drunk partyists in the small streets of the Altstadt.

Thanks to everybody who has contributed to our forthcoming in any way – emotionally, financially or with goods. We feel so supported! To join our trip, feel free to follow this blog, surf our instagram-story and Youtube channel. Donations are welcome via paypal.me/renancengiz. Thank you!

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Düsseldorf – Tripping Europe without money 2

For our English speaking readers: On day two of our journey, we are located on the brinks of Aaper Forest, a beautiful little spot with good train connections to the city. After enjoying the woods strolling and jogging we play three street music sets in the old center of Dusseldorf: Two in the famous Bolkerstrasse with lots of people passing by but also plenty of other musicians – toughly earned bread! By the end of our second set we run into a group of old friends who point us to better locations. We try one out right away, a nice spot at the river Rhine where people usually hang out on a big stairway, and yes, this one is fun! Super nice people, a great audience and enough money in the hat. Thank you Düsseldorf! We’ll come back today. Follow this blog if you want to follow us on our journey!


Tag 2 – wir erwachen am Aaper Wald, einem Stadtwald Grenze Düsseldorf/Ratingen und die Stimmung ist famos, denn unser Stellplatz ist 1A – kostenfrei, naturnah, sauber und nahe einer U-Bahn in die City. Bevor wir uns dorthin begeben, drehen wir eine sportliche Runde durch den Hain, gehend und laufend (tschogging) mit Maja an der Leine, und entdecken dabei eher zufällig die Frauensteine, mutmaßliche Heiligtümer aus der Germanenzeit; nichts Genaues weiß man nicht.

Maja und Renan an den Frauensteinen

Erst gegen Abend machen wir uns auf in die Altstadt. Ohne Verstärker, denn der will nicht so recht: Während er das Mikro akzeptiert, bleibt der Gitarrenkanal stumm. Verdammt. Einer unserer Grundpfeiler des Straßenmusizierens ist also gleich an Tag eins (ja, schon beim Abschiedskonzert in Rheinberg) out of orbit. Heißt für Renan: lauter spielen, lauter Singen, mehr Präsenz. Na gut!

Gegen halb sieben sitzen wir in der Bahn gen Altstadt. Unser erstes Ziel: Die Bolkerstraße, da ist nämlich ordentlich was los. Das haben wir uns auch von Johannes versichern lassen, den wir am Stellplatz kennen gelerent haben. Er organisiert federfrührend das Folkerdey-Festival am kommenden Samstag und war früher selbst mit seiner Band in Ddorf auf der Straße unterwegs.

In Düsseldorf darf man zu jeder vollen Stunde für 30 Minuten spielen, uns bleiben also drei Sets für den Abend. Die ersten beiden in der Bolkerstraße laufen so lala – hier ist weit mehr Konkurrenz als in kleinen Städtchen, aber es tut.

Straßenmusik in der Bolkerstraße, Düsseldorf Altstadt

Plötzlich, kurz vor Ende des zweiten Sets, laufen uns alte Bekannte in die Arme und geben uns Tipps für bessere Locations. Eine davon bespielen wir gleich, mit durchschlagendem Erfolg – ein super Publikum, das sogar mitsingt und sichtlich teilhat, und ein gut gefüllter Hut. Danke, Düsseldorf!

Heute geht’s noch mal eine Runde in die Stadt, dann schauen wir mal, ob und wohin der Wind uns trägt. Ist nämlich echt schön hier. Wir berichten. Bis dahin: Abonniere gern diesen Blog, folge unserer Instagram-Story und sei Teil unserer Reise! Demnächst auch auf Youtube. Wer uns gern etwas in den Hut schmeißen will, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke

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Urlaub ohne Geld – Tripping Europe without money 1

Dear English speaking audience: This is chapter one of our travel blog on tripping Europe without money. Our main language is German but we’ll make sure there’s always at least some summary in English. We’re happy to have you tuned in and subscribed to this blog! In this first post, we feature a newspaper article on our plans – travelling Europe making our livings on street music and selfmade trinkets. We, that is Manu + Renan (= <3), our daughter Hermine (12) and dog lady Maya. Our first stop was the market place of our home town Rheinberg where we sayed good bye with a street music concert. And off we are. We’ll keep you posted!


Das ging ja gut los! Zum Abschied versammelten sich rund 30 Menschen auf dem Rheinberger Marktplatz, von ganz schön jung bis ganz schön nicht mehr ganz so jung, und lauschten unserem Abschiedskonzert. Dass wir ohne Geld gen Süden fahren und ein Goodbye-Konzert in unserer Mutterstadt geben würden stand nicht nur in der Zeitung (siehe unten), am Morgen unseres Abreisetags hatte sich auch Radio KW gemeldet, denen wir am Nachmittag ein Interview gaben.

Den Artikel online lesen: https://rp-online.de/nrw/staedte/rheinberg/rheinberg-die-vallanisten-machen-urlaub-ohne-geld_aid-92115381https://rp-online.de/nrw/staedte/rheinberg/rheinberg-die-vallanisten-machen-urlaub-ohne-geld_aid-92115381

Lea aus der Radio-KW-Redaktion konnte uns auch versprechen uns zu retten, falls wir in Not kommen würden. Die Zuhörer*innen des Senders seien schließlich auch zu Teilen im Urlaub, man wisse ja nie, wo die sich gerade herumtrieben und welche Geschichten das Leben wieder schreibt.

Aber in Not zu kommen, davon gehen wir nicht aus. „Wenn man immer mit dem Schlimmsten rechnet, kann man keinen Spaß haben“, sagt Manu immer, und diese Ansicht teilen wir.

Danke an dieser Stelle nochmals an alle, die uns uns in Rheinberg Lebewohl gesagt und etwas in unseren Hut geworfen haben. Es war schön, so warmherzig verabschiedet worden zu sein. Vielleicht war manch*e auch einfach froh, uns los zu werden, aber eins können wir sicher versprechen: Wir kommen wieder!

Bis dahin: Abonniere gern diesen Blog, folge unserer Instagram-Story und sei Teil unserer Reise! Demnächst auch auf Youtube. Wer uns gern etwas in den Hut schmeißen will, aber aus Raumzeitkontinuumsgründen nicht kann – das geht auch digital: paypal.me/renancengiz. Danke!

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Ohne Geld in den Süden

Nach einem äußerst gelungenen Festival – Nachbericht folgt – geht es in nächste Abenteuer:

Ohne Geld in den Süden!

Das Geld spielen wir unterwegs ein, mit Straßenmusik, selbstgemachtem Schmuck und was uns so einfällt. Wir, das sind Manu und ich, unsere Tochter Hermine (13) und zwei Hunde und unser alter Camper. Unser Ziel: Eventuell Portugal, aber mal sehen, wohin der Wind uns weht.

Erstes Konzert in Rheinberg

Erste Station: Rheinberg-City – am Mittwoch um 18 Uhr sagen wir mit einem Straßenmusikgig Lebewohl und hoffen auf eine kleine Anschubfinanzierung. ;) Sehen wir uns dort?

Updates von der Reise wirds hier im Blog geben.

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