Dionysos hat Angst

Ein musikalisches Theaterstück von und mit Peter Trabner & Renan Cengiz geht in die nächste Runde: Am 17. Mai 2026 um 18:00 im Kulturraum Aartal, Greven. Der Eintritt ist frei, um eine generöse Hutspende wird gebeten.

AAAAAAAAAH! DIESER SCHMERZ!

Dionysos ist irgendwo falsch abgebogen. Spätestens als sich die Spitze eines Stachels seiner Weißdornhecke in seine chirurgisch hyperoptimierte Pimmelspitze bohrt, weiß er: Das hier war nicht der Plan.

Da steht er nun, der Gott des Rausches, auf dem adretten Rollrasen seiner Manufaktum-konformen Megamansion. Er sinnt. Denkt an alte Tage als junger Gott, ha! Was für einen Scheiß haben sie damals getrieben, er und Satyr, sein treuer dämonischer Begleiter – auf allen Partys, am Grund jeder Uzoflasche. Denkt an Zeus, seinen Vater. Und an Peter, den Menschen, mit dem er für diesen ganzen Bühnenzauber seine Seele teilt.

Auf der Grenze zwischen Rausch und Ratio, zwischen Wohnung und Wildnis, zwischen Kultur und Natur zu tanzen, erfordert einen verlässlichen Sinn fürs Gleichgewicht. Physisch wie psychisch stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wie viel ist zu viel?

In seinem dritten Stück aus der Griechen-Reihe nimmt sich Peter Trabner die Figur des Dionysos vor. Zusammen mit Rapper, Künstler und Satyr Renan Cengiz stellt er sich einer Probensituation, einer fragil-gewaltigen Auseinandersetzung mit Grenzgang, Sucht und Rausch, mit Chaos, Natur und Theater.

In der Begegnung mit Dionysos werden Trabner Druck und Freiheit der sozialen Umwelt brutal deutlich. Bei allem Verlangen, bei allem Tun, liegt darunter immer dieselbe Blaupause: die erlernte Form der Liebe, nach der das Kind in uns auf ewig strebt. So steht das erwachsene Kind im gutbürgerlichen Garten, lässt den Blick über Pool und Polygonalplatten bis zum geplanten Flüchtlingsheim schweifen – und ja, da ist es wieder, dieses Gefühl, das so lange betäubt, aber nie gepflegt wurde: ANGST.

Der unsterbliche Dionysos lädt ein, die totale Hingabe ans Leben zu feiern. Diese Feier entlädt sich in trabner-typischen Wortexplosionen, wahnwitzigen Realitätswechseln, feinen Brüchen zwischen Probe und Aufführung, Raum für Stille, Ahs, Ohs, Gelächter, Applaus und Musik.

Peter Trabner und Renan Cengiz treiben Dionysos in die Gegenwart: in eine Welt zwischen Selbstoptimierung und Absturzgefahr, zwischen Wohlstandspanik und Freiheitsversprechen, zwischen Kontrollzwang und der Sehnsucht, einmal wirklich loszulassen.

„Trabner ist eine Urgewalt auf der Bühne und ein unfassbares Improvisationstalent. Seine fulminanten Shows sind mitreißend, witzig, klug und sprühen nur so vor Spontanität.“ (asphalt Festival)

„Cengiz ist der Unerschöpfliche, der Kreative, der Sänger, Gitarrist, Texter, Komponist, Rezitator, Satiriker, Rapper, Autor und Politiker.“ (Rheinische Post)


„Dionysos hat Angst“ ist nach „Der Tod des Empedokles“ (2020) und „Das Leben des Diogenes“ (2022) der dritte Teil der Umwelttheater-Trilogie von Peter Trabner. Uraufgeführt würde das Stück 2024 beim beim asphalt Festival Düsseldorf.

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Veröffentlicht in Kultur & Projekte

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