Sprachtipp: „die, die die“ vermeiden

Erste Hilfe bei unschönen Tripplungen

Eine drei- oder mehrfache Wortwiederholung heißt in der Rhetorik Epizeuxis. Ich setze sie ganz bewusst ein, wenn ich etwa etwas Wichtiges hervorheben möchte – aber nie, nie, nie ohne darüber nachzudenken.

Beim Korrigieren stoße ich oft auf unschöne Dopplungen und Tripplungen: Die, die die, die die Texte schreiben, aus Bequemlichkeit stehen lassen oder schlicht nicht bemerken. Wie können Sie solche Schnitzer vermeiden? Wie merze ich sie aus? Es folgt eine kleine Dokumentation am konkreten Beispiel.

Wo liegt das Grundproblem?

So lautet der Satz, den ich gerade bearbeitete:
Sicher gibt es die, die die Situation in XY für ihren Vorteil ausnutzen, und die YZ nicht respektieren.
Um den Schlamassel auszubügeln, sollten wir den Blick zunächst auf das Grundproblem des Satzes lenken. Wollten wir nur die Dreiergruppe auflösen, könnten wir uns schließlich hiermit zufriedengeben:
Sicher gibt es jene, welche die Situation …
Doch die Wörter „jene“ und „welche“ klingen antiquiert, gestelzt und haben unnötig viele Silben. Sie als Substitut für „die, die“ heranzuziehen wäre reine Symptombekämpfung – und eine unschöne dazu.

Syntax statt Thesaurus

Der Satz krankt auf einer anderen Ebene. Wir haben es mit einem inhaltsleeren Hauptsatz zu tun (Sicher gibt es die, …), während die Hauptsache in eine Nebensatzkonstruktion abgeschoben ist (… die die Situation in XY für ihren Vorteil nutzen und YZ nicht respektieren). Der einzig richtige Ansatz lautet hier: Unser Satz gehört umgestellt.
Meine Lösung:
Sicher [ist]: Einige Menschen nutzen die Situation in XY für ihren Vorteil aus und respektieren YZ nicht.
Nun steht die Hauptsache in einem überschaubaren Hauptsatz und dessen Prädikat obendrein an dritter Position – um das verwaiste Verbteil „aus“ kümmern wir uns später. Statt des Doppelpunkts am Anfang ist auch ein Komma denkbar (Sicher, einige Menschen …). Das ist Geschmackssache. Streiten darf man auch über Sinn und Unsinn des eingeklammerten „ist“ in der Doppelpunktversion.

Der Feinschliff

Nun, da der Satz im Groben funktioniert, können wir uns an den Feinschliff machen. Es gilt den Satz weiter zu vereinfachen und seine Aussage sprachlich zu präzisieren. Eine besonders knackige Variante:
Sicher: Einige Menschen ziehen Kapital aus der Situation in XY und missachten YZ.
Welche Wortwahl im Einzelfall die richtige ist, hängt vom Kontext und der Intention des Satzes ab. Bei einem Lektorat halte ich im Zweifel Rücksprache mit dem Autor und diskutiere verschiedene Lösungen.

Haben Sie andere Lösungsvorschläge oder möchten eine Frage stellen? Ich freue mich über Ihren Kommentar auf meiner Facebook-Seite oder eine Nachricht über das Kontaktformular.
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