Ist der Ausbau von Radwegen und das Stricken eines Radwegkonzepts Auswuchs einer Zweiradideologie? Wenn die überall Fahrradstraßen bauen, wie soll ich dann noch Auto fahren?
Das Gegeneinander von Auto- und Fahrradbefürwortern muss nicht sein. Das ist ein künstlicher Konflikt – und er basiert auf einer Schieflage.
Besonders bei uns auf’m Land ist das Auto unabdingbar. Trotzdem können und sollten wir dafür sorgen, dass unsere Kinder auch auf dem Rad sicher von A nach B kommen – und gerne auch alle anderen.
Das Thema kam auf der Podiumsdiskussion in Rheinberg-Millingen auf – hier ein kleines Statement dazu, das ich als Bürgermeisterkandidat für Die Linke abgegeben habe.
Vielen Dank ans Publikum, ans Team des SV Millingen, an alle Menschen, die für gleiche Rechte für alle Verkehrsteilnehmer*innen streiten – und vielen Dank an alle jungen Menschen, die echter sozialer Politik wieder eine Chance geben.
Es stehen noch vier weitere öffentliche Podien an. Die Termine – und andere heiße Dates – stehen unter www.renancengiz.de/termine.
Es ist also doch wahr: Gestaltenwandelnde Echsenwesen vom Planeten Nibiru sind gekommen, um unser Gold zu stehlen und uns alle zu versklaven – sie sind unter uns! Zumindest zwei. Und wer samstagabends auf dem KPiP 2025 war, kennt sie bereits: Rimojeki. Das abgefahrenes Cyber-Future-Electro-Rock-Duo tourt mit seinem Raumschiff durch Europa und hat zwischen zwei Shows unsere Wohnung in Beschlag genommen. Falls du sie auf dem KPiP verpasst hast, wirf einen Blick in die Tourdates. Es lohnt sich!
Dionysos hat Angst
Allerdings nicht vor Rimojeki. Eher davor, nicht genug zu bekommen. Oder zuviel?
Jedenfalls ist der Gott des Rausches irgendwo falsch abgebogen. Da steht er nun, auf dem gepflegten Rasen neben seinem Gartengeräteschuppen und denkt alte Tage. Was für einen Scheiß haben sie da getrieben, er und Satyr, sein treuer dämonischer Begleiter; auf allen Partys und auf dem Boden jeder Ouzoflasche. Er denkt an seinen Vater Zeus, den größten aller Götter – und an Peter Trabner, den Menschen, mit dem er für diesen ganzen Bühnenzauber seine Seele teilt.
Dabei wird klar: Auf der Grenze zwischen Rausch und Ratio, zwischen Wohnung und Wildnis, zwischen Kultur und Natur zu tanzen, das erfordert einen starken Sinn fürs Gleichgewicht – sowohl physisch als auch psychisch; stets lautet die Frage: Wie viel ist zu viel?
In seinem dritten Stück aus der Griechen-Reihe beschäftigt sich Peter Trabner mit der griechischen Figur Dionysos. Begleitet wird er von mir, dem rappenden Satyr. Gemeinsam stellen wir uns einer fragil-gewaltigen Auseinandersetzung mit Grenzgang, Sucht und Rausch, Chaos, Natur und Theater.
Diese Woche haben wir das Stück in Osnabrück aufgeführt, als Teil der Theateracker-Reihe des Piesberger Gesellschaftshauses. Wir planen derzeit eine kleine Deutschlandtour in der ersten Jahreshälfte 2025. Interesse? Dann melde dich gern!
Alte-Leute-Musik
Das renommierte Rheinberger MAP-Festival findet 2025 leider nicht statt. Kein Grund für The March, ihren dort geplanten Auftritt abzusagen: Stattdessen geht es mit der Unterstützung einiger alter Hasen am 30.08. ins ZUFF. Und mit auf der Bühne steht nur Rheinberger Musikurgestein: Die Irish-Folk-Truppe McCool’s Return, die Punkrockband 2ndDate und, äh, ich – zumindest als Opener und Moderator des Ganzen. Wir freuen uns auf einen sehr guten Abend voller exzellenter Alteleutemusik und heißen auch alle jungen Leute herzlich willkommen.
Bereits im Bundestagswahlkampf hat die Linke aus Rheinberg auf eher unkonventionelle Mittel gesetzt, um die Menschen zu erreichen und zusammenzubringen. So ist im Zuge dessen auch Ende des letzten Jahres die linke Büdchentour vom hiesigen Ortsverband ins Leben gerufen worden.
Und: Trotz der eisigen Temperaturen im Wahlkampf um den Einzug in den Bundestag war die Tour ein voller Erfolg und brachte viele Menschen zusammen.
Rund zwei
Wegen dieser tollen Resonanz geht es jetzt zum Kommunalwahlkampf in die zweite Runde. An drei aufeinanderfolgende Freitagen lädt Die Linke zum Plaudern, Diskutieren und Tanzen ein. Mit im Gepäck hat sie natürlich ihren singenden Bürgermeisterkandidaten Renan Cengiz. Unterstützt u.A. von einer der besten Stimmen des Niederrheins, Yvonne Rüller – zu zweit sind die beiden als FRANZ LOSZT & APOLONIA bekannt.
Mit Meckerzettel
Die Abende an den Büdchen versprechen neben einem unterhaltsamen Live-Set ein offenes Ohr für die Bürger*innen und deren Probleme. Mit dabei hat Die Linke auch ihren Meckerzettel:
„Uns ist es wichtig von den Problemen zu erfahren, die die Bürger*innen Rheinbergs direkt benennen – damit wir diese angehen und im besten Fall beheben können. Daher möchten wir wissen, was die individuellen Sorgen und Anliegen sind und haben dafür unseren Meckerzettel entworfen, der in Null-Komma-Nix ausgefüllt ist“, so Renan Cengiz.
„Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, nicht nur auf dem Marktplatz zu stehen und darauf zu warten, dass mal ein interessierter Mensch vorbei kommt, sondern möchten selbst dahin gehen, wo viele Rheinberger*innen zu treffen sind“, so Manu Cengiz Bechert, die Rheinbergs Ratsliste anführt.
Das Ziel: Begeisterte Büdchenbesitzer, begeisterte Rheinberger*innen – und eine Linke, die bereits vor der Wahl zeigt, wie man Kultur direkt auf die Straßen und zu den Menschen bringt.
Alles sind eingeladen
Es ist explizit jede*r eingeladen vorbeizukommen, auch wenn er oder sie vielleicht nur der Gesangsstimme des vielleicht baldigen Bürgermeisters zu Rheinberg und seiner Gitarre lauschen mag.
Insgesamt gibt es drei Termine. Los geht es diesen Freitag in der Innenstadt Rheinbergs am Argo-Grill, Freitag drauf geht es an den Kiosk in der Reichelsiedlung und am 05.09. spielt die Büdchentour am Orsoyer Rheinkiosk auf, wo auch Landratskandidat Klaus Winter zugegen sein wird. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.
Charmanter als Uwe Plien es tut lässt sich kaum provozieren. Fragt der mich doch allen Ernstes vor 170 Leuten im Bürgerhaus Budberg:
„Sie waren als Satire-Clown für Die PARTEI unterwegs; jetzt Kandidat für Die Linke. Ist das nicht ein bisschen sehr sprunghaft? Sind Sie 2030 dann wieder bei einer anderen Partei – sehen wir Sie dann bei der CDU oder der SPD?“
Das triggerte nicht nur meinen inneren Battle-MC – sondern auch meinen inneren Satiriker. Aber nur kurz. Denn auch, wenn manche Menschen mich als Polit-Clown abgestempelt haben mögen: Linke Werte und ein gesundes Bewusstsein für demokratische Verantwortung sind fest in meiner Brust verankert – deswegen bin ich überhaupt in die Politik gekommen. Genauso wie mein wichtigstes Antidepressivum – mein Humor. Ich ließ mich also zur folgenden Antwort hinreißen, um meinen politischen Weg angemessen und nachvollziehbar zu skizzieren.
Vielen Dank ans Publikum, ans Bürgerhaus-Team und an Uwe Plien! Und vielen Dank an all die jungen Leute, die echter sozialer Politik wieder eine Chance geben.
Es stehen noch vier weitere öffentliche Podien an. Die Termine – und andere heiße Dates – stehen unter www.renancengiz.de/termine.
Wahlkampf fühlt sich oft an wie ein Konzert ohne Musik. Ja, es ist wichtig, für Ideen zu werben, hinter denen man steht. Aber oft übertönt das Getöse den Inhalt. Einer der Gründe, weshalb ich nach meiner Zeit bei Die PARTEI ausgerechnet zu Die Linke gegangen bin: Hier wird zugehört. Ideen entstehen nicht in Thinktanks und Beraterbüros, sondern in den Straßen und Wohnungen des Landes.
Im Wahlkampf – und erst recht danach – sollten gerade die lautesten Egos einmal Luft holen und lauschen. Nicht aus Taktik, sondern um zu verstehen, was die Menschen wirklich bewegt.
Von Reykjavík nach Rheinberg: Was ich von Jón Gnarr lernte
Jón Gnarr, 2007 (Davíð Þór Þorsteinsson, CC BY-SA 3.0)
Mein politisches Vorbild ist Jón Gnarr – der isländische Punk und Komiker, der zufällig Bürgermeister von Reykjavík wurde. Wenn ein Außenseiter wie er 500.000 Menschen überzeugen konnte, dann müssten 30.000 in Rheinberg doch machbar sein?
Was Jón und mich verbindet: Wir denken von unten. Wir hören auf Träumer und Kreative, die nach Feierabend ihre Visionen einer besseren Zukunft spinnen. Außerdem hegen wir eine gesunde Skepsis gegenüber den Mächtigen – und den Erfindern von Weckern, Fließbändern und Puritanismus.
Bevor ich in meinem Leben angefangen habe, über Politik, Programme und Paragrafen zu reden, habe ich erlebt, was Menschen wirklich verbindet: ein Konzert, bei dem alle mitsingen. Ein Abend in der Kneipe, an dem Ideen geboren werden, die keiner allein gehabt hätte. An langen Glühweinabenden um die Feuertonne. Solche Begegnungen sind kein Luxus – sie sind das Fundament, auf dem Gemeinschaft entsteht und aus dem auch politische Veränderungen wachsen können.
Deshalb setzen wir von Die Linke Rheinberg im Wahlkampf nicht auf sterile Infostände, sondern auf Begegnungen: Büdchentour, Musik, Gespräche – besonders mit denen, die längst frustriert sind oder sich zurückgezogen haben. Wir laden ein, wieder Teil von etwas zu sein, statt den Rattenfängern und Populisten das Feld zu überlassen, die mit einfachen Parolen und bequemen Sündenböcke locken. Ein starkes, solidarisches Wir-Gefühl ist das beste Gegenmittel gegen ihre Hetze und Verblendung.
Politik, das sind wir alle
Ich bin auch kein glühender Fan des Polit-Betriebs. Aber ich will meine Freiheit, meine Mündigkeit und meine Rechte nicht verlieren – und meiner Verantwortung nicht ausweichen. Politik sind nicht „die da oben“. Politik sind wir: 83,5 Millionen Menschen, die jeden Tag mit ihren Entscheidungen das Land verändern – im Kleinen, wenn wir handeln, helfen, widersprechen, und im Großen, an der Wahlurne. Wir können das Leben verbessern – oder wenigstens eine Verschlimmerung verhindern. Genau deshalb kandidiere ich: um Samen für Veränderung zu streuen, die in immer mehr Köpfen und Herzen Wurzeln schlagen.
Rheinberg neu denken
Ich wünsche mir, dass Politik kein Wort mehr ist, das nach Frust und Misstrauen klingt. Ich wünsche mir Menschlichkeit, Augenhöhe, ehrliche Debatten und echten Mut – von den Menschen in den Parlamenten und von denen, die sie wählen. Ich will keine perfekten Politiker*innen, sondern authentische – und versuche selbst ein unperfektes Beispiel zu sein.
Nachhaltige, positive Veränderungen lassen sich nicht von oben aufdiktieren. Sie wachsen von unten, wenn wir uns gemeinsam, solidarisch auf den Weg machen, eine gute, schöne und gerechte Zukunft für alle hier zu erschaffen. Also: Mach mit, bring deine Ideen ein; lass uns gemeinsam neue Töne finden, auf die wir in Rheinberg tanzen können. Kurzum:
Auf der Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Budberg wurde ich gefragt, was meine erste Amtshandlung als Bürgermeister von Rheinberg sein werden wird. Das war meine Antwort:
Danke an alle, die zugehört und Fragen gestellt haben, ans Team des Bürgerhausvereins und an Moderator Uwe Plien!
Es stehen noch vier weitere öffentliche Podien an. Die Termine – und andere heiße Dates – stehen unter www.renancengiz.de/termine.
Rheinberg gehört uns allen – und wir gestalten es gemeinsam. Am 14. September sind Kommunalwahlen. Ich kandidiere als Bürgermeister für Die Linke, weil ich glaube, dass wir Rheinberg zusammen verbessern können.
Ich bin Musiker, Publizist und Veranstalter, etwa des KPiP-Festivals. Seit fast 40 Jahren engagiere ich mich in Rheinberg – ob mit Kulturprojekten, Nachbarschaftshilfe oder politischen Initiativen. Für mich gilt: zuhören, anpacken, neu denken und besser machen.
Ein Klima für gute Ideen
Viele Menschen sind verunsichert wegen steigender Mieten, teurer Lebensmittel und globaler Krisen. Beim Thema Sicherheit denke ich nicht zuerst an Polizei und Ordnung – sondern an bezahlbares Wohnen, verlässliche Gesundheitsversorgung und Infrastruktur, gute Bildungs- und Präventionsarbeit. Wir sollten Probleme an der Wurzel packen, statt nur Symptome zu verwalten.
Dafür müssen wir Rheinberg ein Stück weit neu erfinden. Deshalb ist mir Kultur so wichtig: Wo Menschen sich treffen, verschwinden Vorurteile, entstehen Netzwerke, wachsen gute Ideen. Davon brauchen wir mehr – für eine lebenswerte Stadt, eine zukunftsfähige Wirtschaft, saubere Mobilität und Energie, starke Vereine und Betriebe, lebendige Treffpunkte. Lasst uns ein Rheinberg erschaffen, in dem Menschen gerne sind, bleiben und investieren. Das stärkt uns alle.
Hol dir deine Stadt zurück!
Politik ist oft viel zu abstrakt – doch der steigende Druck auf uns alle ist konkret. Wollen wir unsere Freiheit und Menschlichkeit bewahren, brauchen wir keine Hochglanzpolitik und leere Slogans, sondern echte Begegnungen. Es ist deine Stadt. Unsre Stadt. Holen wir sie uns zurück – mit neuen Tönen und offenen Türen!
Wo du mich treffen kannst
Podiumsdiskussionen
Verschiedene Vereine und Initiativen aus Rheinberg haben alle Bürgermeister eingeladen, vor Publikum zu diskutieren und Fragen zu beantworten. Hier die Termine:
Do., 21.08. – Rheinberg-Alpsray – To Hoop – Alpsrayer Str. 102 – 18 Uhr
Mi., 13.08. – Rheinberg-Budberg – Bürgerhaus Alte Feuerwache – Rheinkamper Str. 36 – 19 Uhr
Büdchentour
Statt klassischer Wahlkampfstände setzen wir unser Format „Büdchentour“ fort. Als singender Bürgermeister ist es mir eine Freude, für euch Musik zu machen (mit Freund*innen, fest im Boot ist etwa Yvonne Rüller) und mit euch ins Gespräch zu kommen. Auch andere Spitzenpolitiker*innen von Die Linke Rheinberg/Alpen werden vor Ort sein. Lernt uns kennen!
Straßenmusik. Meine Frau muss mir manchmal bis oft in den Arsch treten, damit ich loslege – aber einmal angefangen, merke auch ich wieder: Mir tut’s gut und die Menschen feiern’s.
Meine Straßenmusiktaufe war unsere Europatournee Tripping Europe Without Money: Rund drei Monate mit Camper und ohne Geld unterwegs – das zu verdienen war Aufgabe meiner Gitarre und Stimme. Und es hat funktioniert! Die ganze Geschichte kannst du hier nachlesen.
Seitdem bin ich mal mehr, mal weniger auf Straßen, in Restarants, Cafés und auf Campingplätzen unterwegs. Mal mit Verstärkung, mal ohne, mal geplant, mal spontan, mal für ein Abendessen, mal für ne Parzelle oder eben für Scheine und Münzen. Und recht häufig für nen Folgegig, also eine Anfrage aus dem Publikum, irgendwo zu konzertieren.
Solche Gigs – und das ist ein Kindheitstraum – bezahlen mir mittlerweile einen stetig wachsenden Teilmeiner Lebenskosten. Falls auch du Lust hast, mich auf deiner Feier zu haben, oder in deinem Restaurant oder auf deinem Campingplatz – meld dich gern!
Kneipenmusik für die Bar des Camping Coccorrocci, Sardinien
Vier Tage auf Sardinien mit neuem Handy in der Tasche – und … weg. Nicht ich, sondern das Handy. Das war kurz frustrierend, geradezu furchteinflößend, aber dann – und das Gefühl dominiert bis heute – eigentlich befreiend. So sehr, dass Frust und Angst sich gegen Urlaubsende erneut breit gemacht haben, weil die Aussicht wieder online zu sein ins Bewusstsein kroch. Irgendwo zwischen nie und immer mobil im Netz pendele ich mich jetzt mal neu ein. Und besinne mich zurück. Zum Beispiel aufs Bloggen – vielleicht nicht als Ersatz, aber sinnvolle und gesündere Ergänzung zu Instagram und ähnlichen Ungetümen. Wie handhabst du das? Ist das Handy ein Werkzeug oder ein Zeitvertreib? Was würdest du mit der Zeit anfangen, wenn sie frei würde?
April 2025. Aloys Cremers schreibt nicht mehr auf Deutsch. Nicht seit Merz. Etwas in ihm sträubt sich dagegen, es schnürt ihm die Gurgel zu. Merz verkörpert das Gegenteil von Aloys’ Philosophie, erzählt er mir. Die Merz’sche Politik ist die Antithese zur Befreiungsdidaktik, mit der Aloys zwischen die Ohren der Menschen hineinwirken will.
[Dieser Artikel ist Teil 3 einer Serie zu Aloys Cremers. Hier geht es zu den Teilen [1] und [2]]
Angst und Krieg treten in die Köpfe der Deutschen. Dabei wäre diesem Welttrend etwas entgegenzusetzen: Ein Bewusstsein für die Eigenenergie der Menschen – und darüber, dass sie mit dieser Energie in jedem Augenblick die Zukunft formen. Assertiv. Assertiv? Das braucht eine Erklärung:
Was ist Assertivität?
Bedeutung und Synonyme des Adjektivs „assertiv“. Quelle: private Kommunikation mit Aloys Cremers
Im Deutschen wird „Assertivität“ meist mit den Begriffen Selbstbehauptung oder Durchsetzungsvermögen übersetzt, wobei der Fokus auf einer respektvollen, selbstsicheren und nicht-aggressiven Art der Meinungsäußerung liegt. In Aloys’ Sinne bezeichnet Assertivität jene schöpferische Kraft, sich selbst und die eigene Position mit Klarheit, Mut und Respekt zu behaupten – ohne Angst vor Fehlern und ohne andere zu dominieren. Assertivität bedeutet für ihn, das schöpferische Nichts in sich selbst als Potenzial zu erkennen und daraus handelnd in die Welt zu treten. Sie ist das Gegenmittel zur lähmenden Angst vor dem Scheitern, die Aloys als kulturelle Bremse identifiziert hat. Assertivität heißt in diesem Sinne, sich selbst zuzutrauen, Wissen und Lösungen im Tun zu erschaffen und dabei offen für Irrtümer und Veränderung zu bleiben. Sie öffnet Türen – für sich und andere – und schafft Raum für Neues.
Assertivität am Niederrhein – Aloys Cremers’ Kunst des selbstbewussten Handelns
Spätsommer 2024. „Assertivität ist keine Frage des Könnens, sondern des Tuns“, erklärt Aloys mit funkelnden Augen, während er energisch mit den Händen gestikuliert. Der niederländische Grenzgänger und Kuhnst-Aktivist erklärt mir das Konzept, das in seiner Heimat längst etabliert, am deutschen Niederrhein jedoch noch kaum bekannt ist. Seit seiner Rückkehr nach Kevelaer zieht sich die Assertivität als roter Faden durch sein Schaffen – sie ist das philosophische Fundament seiner „Kultur, als sei es nichts“. Den kulturellen Bremsklötzen des Niederrheins setzt Cremers sein „anders ist nicht verkehrt“ entgegen, eine Haltung, die den gesunden Menschenverstand auf die Straße trägt und das Nichts als schöpferisches Potenzial begreift. „Wissen schafft sich selbst“, ruft er mir zu, eines seiner vielen kleinen Mantren, Gedankensplitter, die einem zunächst wirr und wild vorkommen, die aber in ihrer Gesamtheit eine stimmige Philosophie transportieren.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Ich erkenne Parallelen zu Nietzsches aphoristischer Philosophie im künstlerischen Ansatz von Cremers. Wie Friedrich Nietzsche bevorzugt auch Aloys die pointierte, spontane Formulierung: Mit knappen Aussprüchen, überraschenden Bildern und der Betonung des unmittelbaren Tuns taucht er – ähnlich wie Nietzsche – kurz und intensiv ins kalte Wasser der Erkenntnis ein, ohne sich in langen Erklärungen zu verlieren. Beide setzen auf die Freiheit des Geistes und die Kraft, sich von tradierten Denkgewohnheiten zu lösen. Cremers’ spontane, angstfreie Kunst und sein Mut zum Fehler spiegeln Nietzsches Überzeugung wider, dass Erfüllung und Kreativität nur durch das Durchschreiten von Unsicherheit und Scheitern möglich werden.
„Daß man damit nicht in die Tiefe, nicht tief genug hinunter komme, ist der Aberglaube der Wasserscheuen, der Feinde des kalten Wassers; sie reden ohne Erfahrung.“ – Friedrich Nietzsche in „Die Fröhliche Wissenschaft“ (fünftes Buch)
Fehlerkultur in Deutschland? Ein epic fail
„In einer positiven Fehlerkultur […] werden Fehler […] als Möglichkeit zu lernen sowie als Teil von Innovationsprozessen gesehen“, erklärt Roland Matuszewski vom zfm Bonn. Deutschland sei in dieser Hinsicht internationales Schlusslicht: Die deutsche Fehlerkultur belegt in einer Studie der Universität Lüneburg Platz 61 von 62 untersuchten Ländern. Aloys ruft zum Umdenken auf: „Fehler sind erlaubt – das ist das Gegenmittel gegen die German Angst“. Wer den niederrheinischen Niederländer erlebt, versteht: Assertivität bedeutet bei ihm jene Sicherheit des Selbst, die es braucht, um im Leben verwurzelt und dennoch grenzenlos kreativ zu sein – mittendrin mit seinem Nichts, aus dem alles entstehen kann.
Die Befreiung des Menschen – von Cloots bis Cremers
Aloys Cremers’ Konzept der Assertivität ist eng verbunden mit den Ideen von Anacharsis Cloots – jenem revolutionären Denker, der als „Redner des Menschengeschlechts“ vom Niederrhein aus die Weltbühne betrat. Cloots, geboren bei Kleve, war ein radikaler Verfechter universeller Menschenrechte und glaubte an die grenzenlose Souveränität der Menschheit – jenseits von Nationen, Religionen und tradierten Autoritäten. Seine Vision einer „Weltrepublik“ und sein kompromissloser Ruf nach Selbstbestimmung spiegeln sich im Kern von Cremers’ Assertivitätsbegriff wider.
Anacharsis Cloots (1755–1794)
Im Wirk-Universum des Aloys Cremers wird Assertivität zum Werkzeug gegen kulturelle Stagnation und geistige Trägheit. Wie Cloots, der sich gegen die Fesseln von Stand, Kirche und Staat auflehnte und für eine kosmopolitische Gesellschaft kämpfte, fordert Cremers ein selbstbewusstes, eigenverantwortliches Handeln aus dem schöpferischen Nichts – aus jener Eigenenergie, die jeder Mensch in sich trägt und die alle Menschen verbindet. Beide, Cloots und Cremers, eint die Überzeugung, dass Freiheit und Kreativität nicht von außen gewährt, sondern von innen heraus – durch aktives, assertives Tun – verwirklicht werden müssen.
Aloys’ künstlerische Initiativen, seine Arbeit an der Befreiung der Köpfe und Herzen, stehen damit in der Tradition aller Denker*innen, die die Menschen aufforderten, sich nicht von Angst und Autorität lähmen zu lassen, sondern mutig und mit gesundem Menschenverstand für ihre Rechte einzustehen. So wird der Niederrhein bei Cremers zur Bühne einer neuen, assertiven Weltbürgerschaft – ganz im Geiste des revolutionären Universalismus von Anacharsis.
Wenn Ihnen gefallen hat, was Sie hier gelesen haben, und Sie weitere Einblicke dieser Art in das Werk Aloys Cremers’ und anderer niederrheinischer Kulturitäten nicht scheuen, abonnieren Sie gern diesen Blog. (Falls Sie nicht wissen, wie das geht, schreiben Sie mir einfach eine Nachricht.) Und schauen Sie doch mal auf Aloys’ Website vorbei: www.aloys-cremers.de. Die ist zwar nicht ganz aktuell, aber es gibt trotzdem eine Menge Nichts zu sehen.
Während in Belém die UN-Klimakonferenz COP30 über Klimagerechtigkeit verhandelt, pflückt in Deutschland die Polizei im Auftrag eines Energiekonzerns Klimaaktivist:inen aus dem Wald. Bericht und Betrachtung einer Räumung und ihrer Implikationen.
Drei existenzielle Krisen am Tagebau Hambach: Wie RWEs Profitlogik nach dem Kohleausstieg 2030 weitergeht – mit Landnahme, Naturzerstörung und einer hydrologischen Katastrophe, die 300 Jahre nachwirkt. Ein Bericht aus der Mahnwache an der BUND-Wiese.