PM: KPiP-Festival 2023 im Stadtpark Rheinberg

Am Wochenende 2.–4. Juni ist es soweit – das KPiP-Festival in Rheinberg rollt an. Das bedeutet drei Tage Musik, Kunst und Kultur im Stadtpark. Der Eintritt zum Festival ist frei, um Hutspenden für die Künstler wird gebeten. Bespielt wird die Parkfläche vor und neben dem Spanischen Vallan. Nebst einem Bühnenprogramm wird ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten, von Kunsthandwerk über Theaterperformances bis hin zu Mitmach-Angeboten für Kinder.

Das KPiP-Festival findet erstmals unter eigenem Namen statt, war jedoch bereits letzten Sommer als Teil des Rheinberger Kulturfestes im Stadtpark angesiedelt.

Drei Festivaltage mit Bühnenprogramm

Wie im letzten Jahr startet das Festival am Freitag um 16 Uhr mit einer Technoparty. Vier DJs heizen ein, Headliner ist die Szenegröße KriZ FadE. „Die Party ist im letzten Jahr auf unheimlich viel Resonanz gestoßen“, erzählt Vallanistin und künstlerische Leiterin Manu Bechert. „Ursprünglich wollten wir uns nur im kleinen Kreis auf das Festival einstimmen, aber als sich immer mehr Menschen ankündigten, planten wir spontan größer und es war klar: Das muss es im nächsten Jahr wieder geben.“

Am Samstag spielen nach der Eröffnung um 13 Uhr diverse Bands auf der Hauptbühne: „Von der Schülerband über Ruhrpott-Rapper und Classic Rocker bis hin zu gehirnschmelzender Avantgarde ist alles dabei“, verspricht Bechert. Headliner sind die Post-Wave-Rocker von Death, Love And Acid und das Drum-and-Bass-and-Violin-Duo UGLYDUB.

Am Sonntag geht es gemütlicher, aber keine Spur langweiliger zu: Nach einer Frühstückslesung mit Schauspieler Rupert Seidl um 11 Uhr treffen Jazz- und Liedermachermusik auf gut gelaunten Grunge und Irish Folk. Headliner sind Liedermacherin Sylvia Kirchherr und das Jazzquintett Hyperschall.

Buntes Rahmenprogramm

Begleitet wird das Geschehen auf der Bühne von einem vielfältigen Rahmenprogramm: Es gibt ein Wiedersehen mit Schauspieler Peter Trabner, der als Security-Chef das Festival unsicher macht, mit dem Kunstkollektiv Habitat 49 aus Geldern und anderen aus dem letzten Jahr bekannten Gesichtern. Dazu präsentieren sich Kunsthandwerker, Vereine, Privatpersonen, Unternehmen und Kleinkünstler auf dem Festivalgelände.

Auch für Kinder ist gesorgt: Neben Mal- und Bastelangeboten, etwa vom Rheinberger Creaktivo-Team, lädt Spiel- und Theaterpädagogin Romy Trabner Kinder ab drei Jahren in ihr Mitmach-Zelt ein.

Gegen Hunger und Durst stehen die Festival-Cocktail-Bar, ein Kuchen-Point im Spanischen Vallan und diverse Food- und Drink-Trucks bereit.

Solidarisch und nachhaltig

„Das KPiP ist ein offener Raum für alle Menschen“, so Bechert. Das Miteinander steht in jeder Hinsicht im Vordergrund: Von der Einbindung verschiedenster lokaler und regionaler Akteure bis hin zur Rücksicht auf die Natur. Da versteh es sich von selbst, dass die Anfahrt möglichst mit dem Rad oder den Öffis erfolgen sollte. Der Freibad-Parkplatz ist Ausstellern und Künstlern vorbehalten.

Programm und weitere Informationen

Mehr über das Festival erfahren Interessierte auf der Website www.KPiPFestival.de, Informationen zu weiteren Angeboten rund um den Spanischen Vallan unter www.SpanischerVallan.de sowie auf Instagram unter dem Handle @spanischer_vallan.

Veranstalterin des Festivals ist die Kulturinitiative Spanischer Vallan (Manu Bechert und Renan Cengiz) als Teil des Kulturprojekte Niederrhein e.V. in Kooperation mit der Stadt Rheinberg. Hauptsponsor ist die Kulturstiftung der Sparkasse am Niederrhein.

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Turmult und KUHnst am Niederrhein – Aloys Cremers (Teil 2)

Das englische Wort turmoil bedeutet Aufruhr, Tumult, Getümmel oder Trubel. Vielleicht liegt es in der Natur(m) der Sache, dass Turmkunst und Turmkultur immer auch ein wenig Rebellion erfordern.

Dieser Artikel ist Teil 2 einer Serie zu Aloys Cremers. Hier geht es zu den Teilen [1] und [3]]

Nichts zu sehen

Es ist März. Genau in dem Moment, in dem ich dies schreibe, fährt der Bus, in dem ich sitze, am Nichts vorbei – einem dieser aufmüpfigen Türme, die mich begleiten, seit ich selbst als Vallanist an der Seite von Manu Bechert zum Turmwirker wurde.

Der Orsoyer Containerturm Nichts ist das geistige Kind von Reinhold Kuch und Aloys Cremers. Als niederrheinisches Perpetuum mobile ist die alternative Freiheitsstatuet ein Eckstein in Aloys’ Niederrheinzyklus, einer von vielen. Das Nichts wirkt bereits, auch wenn es offiziell noch eine Baustelle ist – doch schon jetzt gibt es hier Nichts zu sehen. Gestern saßen wir zu Dritt beieinander, bei einem Kaffee in Reinholds Garage, und haben über den status turris geredet. Wir sind uns sicher, dass Reinhold als Turrist schon bald Touristen in Orsoy empfangen wird, die das Nichts ausfüllen und mit ihrer Eigenenergie beleben, aufeinandertreffen und ihre Wesenskerne zum Strahlen bringen, als wären sie auf der Suche nach dem Higgs-Bosom – ganz im Sinne der Aloys’schen Befreiungsphilosophie.

TurmArt und KUHnst

Aloys’ erster Turmstreich gipfelte in einem Studierbuch der FernUni Hagen, das er uns nach unserem Einzug im Spanischen Vallan beim Einstandsbesuch in die Hände drückte. Darin konserviert: Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der TurmArt in Geldern. Ab 1993 hatte Aloys mit der Künstlergruppe KUHnst Ausstellungen und Spektakel im alten Gelderner Mühltenurm auf die Hufen gestellt, aus denen der „KUHnst Turm Niederrhein e.V.“ hervorging. 1999 kaufte der Verein den Wasserturm am Ende des Gelderner Bahnhofsparkplatzes. Anstelle der TurmArt gab und gibt es hier das TurmStipendium: Einige Wochen lang werken und wirken die Stipendiat:innen im Turm – wer mag, kann zugucken, und die entstandenen Kunstwerke werden später ausgestellt.

Das KUHnst-Konzept stammt ebenfalls von Aloys, gemeinsam mit Peter Busch haben die beiden KUHnstler es vor der TurmArt aus der Tränke gehoben. Das zusätzliche H weitet den Kunst-Begriff, fügt etwas hinzu, und steht dem Künstlichen in der Kunst, dem Prothesenhaften, entgegen. „Eine Addition, die sich […] auch als Referenz auf die Niederrheinische Landschaft deuten ließ, eine augenzwinkernde Referenz, die von Anfang an Humor (und Selbstdistanz) statt gnadenloser Intellektualität mit sich führt“, ergänzt der Soziologe und Systemtheoretiker Prof. Dr. Peter Fuchs in einer Analyse.

Ein türmender KUHnstler mit Nichts im Gepäck

Es ist April. „Türme, als Probleme, versperren die Sicht – man kann dem Problem ausweichen, indem man drumherum geht, oder man geht in den Turm, in das Problem hinein“, erklärt Aloys. Es ist gut zwei Wochen später, wir stehen in seinem Keller und er zeigt mir, was er alles mitnehmen will: Aloys türmt nämlich gerade, zumindest ein bisschen, nach Kevelaer, wo ihm ein Atelier zur Verfügung steht, und ich bin einer von einigen, die ihm dabei helfen, alles Nötige zusammenzupacken: Schränke, Drucke, Gemälde und Utensilien; jedes Teil hat eine Geschichte.

Zwischen den Ohren

Es ist Mai. Irgendwie ist ja jeder Mensch ein Turm, sage ich mir, während ich an gestern denke. Aloys hat uns mal wieder am Spanischen Vallan besucht, dem Turm im Rheinberger Stadtpark, der seit knapp zweieinhalb Jahren das Zentrum unseres Schaffens darstellt. Plakate und Broschüren hat Aloys vorbeigebracht, und viele Neuigkeiten aus seinem Atelier in Kevelaer, seinem Kulturlabyrinth, in dem er seine NachLast in Form eines gigantischen DANKMALS in den Kosmos quirlt. Danke sagen möchte er, sein Nichts wirken lassen in den Menschen, diesen wandelnden Türmen.

Denn Aloys’ KUHnst mag zwar auf Bildern, in Büchern und auf Skulpturen abgebildet sein – stattfinden tut sie aber zwischen den Ohren. Es geht dabei um Freiheit, und wenn Aloys von seinem Nachlass redet, meint er nicht primär die Dinge, die Luft verdrängen, all diese Lasten. Er meint die Fortpflanzung des Nichts in die nächste Generation, das Fortleben der Befreiung der Köpfe und Herzen. Indem er das erlebbar macht, kann es sich verbreiten. „Ich mache nur Türen auf“, sagt er, für die nächste Generation. „Jetzt seid ihr dran, etwas daraus zu machen.“ Was genau, das möchte er nicht bestimmen, denn das Nichts hat seine eigene Dynamik, sobald es einmal zwischen den Ohren angekommen ist.

Nichts zu verstehen, dazu lädt er ein, nach Kevelaer in sein Labyrinth in der Hauptstraße 22, zu den Kreis Klever Kulturtagen, am 20. und 21.05.2023 von je 10 bis 17 Uhr.

Wenn Ihnen gefallen hat, was Sie hier gelesen haben, und Sie weitere Einblicke dieser Art in das Werk Aloys Cremers’ und anderer niederrheinischer Kulturitäten nicht scheuen, abonnieren Sie gern diesen Blog. (Falls Sie nicht wissen, wie das geht, schreiben Sie mir einfach eine Nachricht.) Und schauen Sie doch mal auf Aloys’ Website vorbei: www.aloys-cremers.de Die ist zwar nicht ganz aktuell, aber es gibt trotzdem eine Menge Nichts zu sehen.

Alle Artikel zu Aloys’ Wirken und Ideen finden sich im Schlagwortarchiv.

HIER finden Sie mehr zum Spanischen Vallan.

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KPiP-Festival 2023 – Programm

Hier findest du das Programmheft unseres KPiP-Festivals zum Durchblättern und Downloaden:

Vielen Dank an die Agentur Tenge & Spangenberg für den Druck von Programmheft und Plakat sowie einen Slot auf der Videowall Rheinberg! Ab Montag ist dort der folgende Beitrag zu sehen:

Vorwort des Programmhefts

Hallo, Mensch!

In deinen Händen hältst du das Programmheft zum KPiP-Festival Rheinberg 2023. Initiatoren des Festivals sind wir, Manu Bechert und Renan Cengiz, auch bekannt als die Vallanisten. Seit wir im Dezember 2020 von der Stadt Rheinberg die Schlüssel zum Spanischen Vallan erhalten haben, veranstalten wir regelmäßig und überwiegend ehrenamtlich Kunst- und Kultur-Events rund um das verwunschene Türmchen im Rheinberger Stadtpark.

2022 organisierten wir das erste Festival, damals im Rahmen des Rheinberger Kulturfestes. Dieses Jahr ist es uns gemeinsam mit Kulturprojekte Niederrhein e.V. und mithilfe wunderbarer Sponsor,- Partner- und Helfer*innen gelungen, ein autarkes Festival auf die Beine zu stellen. Schirmherr ist Rheinbergs Bürgermeister Dietmar Heyde.

Wer und was Dich beim KPiP genau erwartet, erzählen wir dir im vorliegenden Programmheft. Eines vorab: Das Festival kostet keinen Eintritt, doch viele unserer Künstlerinnen und Künstler sind auf eine Spende angewiesen. Wo ein Hut rumgeht, bitten wir dich um einen Groschen für die gute Sache.

Und jetzt viel Vorfreude beim Durchblättern, wir sehen uns im Juni!

Manu und Renan

Das KPiP-Festival findet vom 02.–04. Juni 2023 im Stadtpark Rheinberg rund um den Spanischen Vallan statt. Das FEstival beginnt mit einer Technoparty am Freitag ab 16 Uhr, am Samstag und Sonntag ist für ein diverses Bühnen- und Rahmenprogramm gesorgt, das am Samstag um 13 Uhr mit der offiziellen Eröffnung beginnt, am Sonntag um 11 Uhr. Das KPiP endet am Sonntag gegen 19:30 Uhr.

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Kneipenquiz mit Klaus

Kneipenquiz mit Klaus! Morgen, Fr., 12.5., 19:30 Uhr, Spanischer Vallan. Kostet nichts, Hut geht rum. Max. 7 Teams, wer zuerst kommt, quizt zuerst!
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Vallanereien im Mai

Spanischer Vallan – Programm Mai 2023

Anfang Mai war Saisoneröffnung am Spanischen Vallan im Rheinberger Stadtpark. Seitdem ist jede Menge los – neben dem üblichen Kultukaffeeklatsch an den Sonntagen gibt’s jeden Samstag Abend eine Acoustic Session, außerdem ein Kneipenquizz und ein Bierpongtournier. Mehr dazu unten.

Die erste Acoustic Session fand vergangenen Samstag statt. Zu Gast war Gitarrist und Singer/Songwriter SEPP aus dem Habitat 49 mit charmant-melanchonischen Eigenkompositionen aus seinen letzten Album „Upwards/Downwards“ und seinem demnächst erscheinenden Album „There must be something more out there“. Zu späterer Stunde hat FRANZ LOSZT als kleine Dreingabe eine intime Hommage an John Frusciante kredenzt. Ein Highlightvideo des Abends findet sich auf dem Youtube-Kanal des Spanischen Vallans:

Unten erfährst du, was und wann dich den restlichen Monat über erwartet – Details werden jeweils zeitnah bekannt gegeben, meist zuerst auf dem Instagram-Kanal des Spanischen Vallans und nach bestem Vermögen auch hier im Blog.

Der Eintritt zu den Konzerten und ist frei, ein Hut geht rum. Für das Bierpong bitte einen Unkostenbeitrag von € 5/Team bereithalten. Das Kneipenquiz kostet ebenfalls nüscht, außer Gehirnzellen.

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Grand Opening 2023 | Highlights

Am Samstagabend haben wir recht spontan die Vallan-Saison 2023 eingeläutet. Was für eine Eröffnung! Besonders haben wir uns über Laura und Justin gefreut, die spontan mit FRANZ LOSZT & APOLONIA auf die Musikbühne gehüpft sind. Danke an alle, die mit uns den Saisonstart gefeiert haben, danke an alle Helferinnen und Helfer – wir sehen einem vallanistisch-wundervolles Jahr mit euch entgegen!

Es folgt ein Highlight-Video mit einigen schönen musikalischen Momenten des Abends:

Der Spanische Vallan ist eine Kunst- und Kulturstätte im Stadtpark Rheinberg, betreut und kuratiert von Manu Bechert und Renan Cengiz.

Der Spanische Vallan bei Instagram.

FRANZ LOSZT bei InstagramAPOLONIA bei Instagram

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Vallan – Grand Opening 2023

Die Saison kann beginnen! Diesen Samstag öffnet der Spanische Vallan im Stadtpark Rheinberg ab 18 Uhr die Fenster. Von 19:30–20:30 Uhr gibt’s Livemusik von FRANZ LOSZT & APOLONIA. Komm vorbei und feier mit uns den Frühling!

Diesen Samstag geht’s los.
Manu hat extra alles ordentlich gemacht.

Bei gutem Wetter sind wir auch sonntags wieder wie gewohnt für euch da!

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Karneval – Ursprung und Unterdrückung

Seit dem Jahr 1550 wird in Rheinberg nachweislich Karneval begangen – vielmehr: Mummenschanz, wie es damals noch hieß. Gefeiert wurde mit einem Maskenball, Theater, Gesang, Tanz – und sicher auch Rausch: Der Bürgermeister spendete den Narren traditionell zwei Tonnen Bier. Das beschreibt Stadtführer und Heimatforscher Werner Kehrmann in einem Gastbeitrag für die Rheinische Post.

Ur-Karneval

Um die Wurzeln des Karnevals zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurücktreten und uns anschauen, in welchem kulturellen Kontext das Fest einmal gestanden hat. Diesem Kontext hat der aus Rheinberg stammende Germanist und Philosoph Dr. Thomas Höffgen ein ganzes Buch gewidmet: „Karneval im alten Europa“ heißt es. Darin berichtet Höffgen von Ursprung, Brauchtum und Bedeutung eines heidnischen Verkleidungskultes, der in jenem europäisch-archaischen Festzyklus konserviert ist, den wir heute als Karnevalszeit bezeichnen: Vom alten Winteranfang am 11. November bis hin zum alten Sommeranfang am 30. April widmeten die Menschen ihre Feste und Aufmerksamkeit den wilden, animalischen Seiten des Menschseins, die wir als Mitglieder einer christlich-zivilisierten Kultur gelernt haben zu unterdrücken.

Karneval und das Narrenschiff

Das Wort Karneval geht auf den carrus navalis zurück, einen rituellen Schiffskarren, den Römer, Griechen und Germanen an hohen Feiertagen in Umzügen reich geschmückt über die Felder und durch die Natur zogen. Kernelement des Karnevals ist die Überwindung gesellschaftlicher Grenzen und Werte – die Verkleidung, das lärmende Treiben und das Schiff, das an Land fährt, sind äußerliche Phänomene eines inneren, psychologischen Ereignisses, bei dem der Einzelne sich im Geiste über die Grenzen seiner vertrauten, vernunftbasierten Welt und Wirklichkeit hinauswagt, um andere Seinszustände zu erfahren. In diesem Zustand des Außer-sich-Seins ist alles anders, verkehrt (= umgedreht): Menschen werden zu Tieren, Teufeln oder Toten, Sklaven werden zu Königen, Männer zu Frauen, Frauen zu Männern, erklärt Höffgen.¹

In seinem Werk „Traumzeit“ beschreibt der Anthropologe Hans Peter Duerr ein Beispiel aus dem Jahr 1133: Es fuhr dazumal ein „hölzernes Narrenschiff von Corneliusmünster […] nach Looz. In den Orten, in denen das Schiff hielt, erfaßte die Frauen eine ekstatische Wildheit: Halbnackt, mit aufgelösten Haaren […] umtanzten sie das Schiff und trieben hernach etwas, von dem der berichterstattende Mönch nur weinen oder schweigen zu können erklärte.“²

Vorchristliche Neujahrs- und Winterfeste

Die Karnevalszeit ist ein durch und durch vorchristlicher Festzyklus: „Seit jeher feierten die Menschen ein hehres Winter-, Neujahrs- oder Frühlingsfest mit ausgelassenem Verkleidungsspiel und Kulttänzen, um den Winter auszutreiben und die warme Jahreshälfte auszurufen.“ Mithilfe von Masken, Musik und Tanz galt es die Schneedämonen zu vertreiben und die Sonnengeister anzulocken. Karneval basiert „auf astronomischer Erkenntnis und Erfahrung: Genau genommen handelt es sich um ein Sonnenfest“, so Höffgen.³

Ein Fest, das übrigens auch in unserer Weihnachtszeit konserviert ist. Das Zentrum der Sonnenfeiern war die Wintersonnenwende, die nach dem heute üblichen gregorianischen Kalender auf den 21.12. fällt. Die Wintersonnenwende ist „die Keimzelle des Karnevals“ und der Ursprung der christlichen Weihnacht; sie ist der Scheitelpunkt des heidnischen Neujahrsfests, in dem der Tod der Sonne und ihre Wiedergeburt gefeiert und mit allerlei Verkleidungskulten und enthusiastischen Ritualen begangen werden.⁴ Doch dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Unterdrückung des Karnevals durch die Kirche

Als die katholische Kirche ihre Macht in Europa im Mittelalter ausbauen und festigen wollte, war ihr der heidnische Mummenschanz ein Dorn im Auge: Den christlichen Missionaren galt das Brauchtum als „Teufelsdienst“, dem die Kirche mit Verboten und Vorschriften begegnete. Weil die ungläubigen Heiden trotzdem am alten Brauchtum festhielten, integrierten listige Kleriker die Bräuche in den katholischen Kalender und die heidnischen Verkleidungskulte wurden kurzweg christianisiert, erklärt Höffgen.⁵

Die Bekämpfung alles Nicht-Christlichen, vornehmlich Heidnischen im Zuge der Christianisierung wird auch Verteufelung oder Dämonisierung genannt und ist gekennzeichnet durch eine Verbannung oder Umdeutung heidnischer Bräuche, Symbole und Überzeugungen. Schon im siebten Jahrhundert habe der christliche Kalender den Eindruck erweckt, er sei „eine Kopie des Heidnischen“, schreibt der Historiker Jean Claude Bologne in seinem Werk „Von der Fackel bis zum Scheiterhaufen“.⁶ Heidnische Elemente, die sich nicht christlich vereinnahmen ließen, wurden ins Reich des Bösen, Gefährlichen, Unangenehmen oder Verruchten verbannt.

11.11., 11 Uhr 11 – wieso?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was es mit der vierfachen 11 auf sich hat, die alljährlich die Karnevalssession einleitet? Höffgen weiß Antwort: In alten Zeiten, so der Forscher, markierte der 11.11. den Einbruch der Winterzeit. Die Ernten waren eingefahren, das Vieh eingestallt und das Leben spielte sich in den Gehöften ab. Höffgen weist darauf hin, dass die doppelte 11 auch eine numerologische, zahlenmystische Deutung zulässt: „In der heidnischen Weltanschauung wird die 11 mit dem Winter zusammengebracht; etwa trägt die 11. Rune im Futhark [Runenreihe] – Isa, ᛁ – die Bedeutung ‚Eis‘.“ Grundsätzlich komme der 11 bei den vorchristlichen Völkern Europas eine positive natursymbolische Deutung zu. Die Kelten etwa feierten bis zum 11.11. das zwölf Tage andauernde Samhain, das Ende des Sommers – ein keltisches Neujahrsfest, das dem Gott der Toten, der Unterwelt, des Friedens und der Fruchtbarkeit Cromm Cruach gewidmet war, und dessen Tradition, besonders das Sich-Verkleiden, teilweise im Halloweenbrauchtum konserviert ist.⁷

Herkunft der fünften Jahreszeit

Bis heute wird die Karnevalssaison die fünfte Jahreszeit genannt – ein Begriff, der ursprünglich die Rauhnächte zwischen der Wintersonnenwende und Epiphanias bezeichnete, die sogenannte Zeit zwischen den Zeiten. In den Rauhnächten ging in alten Tagen „eine sehr spezielle ‚Lufterscheinung‘“ um, witzelte der kürzlich verstorbene Ethnologe Dr. phil. Christian Rätsch in seinem Werk „Der Heilige Hain“. Die Rede ist von der Wilden Jagd, ein von „Rossgewieher, Hundegebell, Heulen, Peitschenknallen“, Glockenlärm und anderem Getöse begleiteter Narren- und Geisterzug im wilden Gefolge des Schamanengottes Wotan: „Einherjer (gefallene Helden), die Berserker, Totenseelen, Wölfe, Hunde und Hasen, Geister und Gespenster“ brausten mit ihm durch den Nachthimmel.⁸

Der Habitus der Wilden Jagd ist laut Höffgen „ein karnevaleskes Ritual, bei dem gespenstische Erscheinungen, halb Mensch, halb Tier, ekstatische Spiele inszenierten“. In der Wilden Gjoag der Gemeinden am Untersberg habe sie sich ebenso gehalten wie in den Perchtenläufen im Alpenraum. Die modernen Perchtenläufe sind laut Höffgen ein Erbe wilder Tanzkulte und archaischer Ekstaseriten, mit denen der Winter ausgetrieben wurde. Dabei sorgten die „großen Glocken, die die Perchten auf dem Rücken tragen, […] mit ihrem monotonen Klang für einen schamanischen Trance-Effekt“. Am letzten Tag der Perchtenläufe treten die Schönperchten als Vertreter der warmen Jahreszeit in einem rituellen Glockenkampf gegen die Schiechperchten als Vertreter der kalten Jahreszeit gegeneinander an, wobei das Licht den Sieg über die Dunkelheit davonträgt.⁹

Umgang mit einem naturmagischen Erbe

Alle alten Feste in der dunklen Jahreshälfte haben zu tun mit der Wiedergeburt der Sonne. In ihnen ist das naturmagische Erleben unserer Vorfahren konserviert – das wilde, vorzivilisatorische Weltbild lebte in Form von Bräuchen und Ritualen in den bäuerlichen Kulturen der germanischen Stämme fort und hat teilweise, aller Christianisierungsbestrebungen zum Trotz, bis in unsere Zeit hinein Bestand – nicht nur im Karnevalszyklus. Diese Beständigkeit ist nur gegeben, weil die Feste immer wieder neu erfunden wurden – und dabei leider oft genug für politische oder religiöse Zwecke missbraucht, man denke nur an die Einverleibung alles „Germanischen“ durch die Nazis, und natürlich die Jahrtausende währende Pervertierung alles Nicht-Christlichen durch die Kirchen.

Intuitiv fühlen manche von uns noch etwas von dem ursprünglichen Sinn hinter Verkleidungskulten und lärmenden Umzügen. Doch in den meisten Fällen sind sie zu einer tradierten Schablone verkommen, die wir mechanisch ausfüllen, ohne uns der Bedeutung ihrer Formen bewusst zu sein. Indem wir uns mithilfe unseres Verstandes erneut vertraut machen mit dem Weltbild unserer Vorfahren, können wir etwas des ursprünglichen Zaubers wiedererwecken, den die Kirche und ihre weltlichen Lakaien mit spitzer Zunge und scharfem Schwert ausgetrieben haben.

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Endnoten

  1. Höffgen, Dr. phil. Thomas: „Karneval im alten Europa. Ursprung, Brauchtum und Bedeutung eines heidnischen Verkleidungskultes“ (Darmstadt: wbg Academic, 2020), S. 12 & S. 20
  2. Duerr, Prof. Dr. Hans Peter: „Traumzeit. Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation“ (Frankfurt a. M.: Syndikat, 1978), S. 39
  3. Höffgen: „Karneval …“, a.a.O., S. 15
  4. Ebd., S. 46f
  5. Ebd., S. 13
  6. Bologne, Jean Claude: „Von der Fackel bis zum Scheiterhaufen: Magie und Aberglaube im Mittelalter“ (Solothurn / Düsseldorf: Walther-Verlag, 1995), S. 68
  7. Höffgen: „Karneval …“, a.a.O., S. 28ff
  8. Rätsch, Dr. phil. Christian: „Der Heilige Hain: Germanische Zauberpflanzen, heilige Bäume und schamanische Rituale“ (Baden / München: AT Verlag, 2. Aufl. 2006), S. 16
  9. Höffgen: „Karneval …“, a.a.O., S. 52f

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Habitat 49 – Subkultur aus Geldern

Mattez trägt immer eine Sonnenbrille. Als ich ihn das erste Mal ohne gesehen habe, bin ich einfach an ihm vorbei gelaufen. Vor ein paar Jahren hat Mattez sich das Paint On Walls Festival ausgedacht, vermutlich auch mit Sonnenbrille, um etwas zum Straßenmal-Wettbewerb in Geldern beizutragen, gute Kunst und coole Leute in die Stadt zu holen und der modernen Street-Art eine angemessene Plattform zu geben. Und Mattez war es auch, der eine alte Bäckerei angemietet und damit den Grundstein für das gelegt hat, was ich heute Abend in Geldern erlebe – im Habitat 49.

Der Habitat ist Atelier, Studio, Bühne und Schaffensraum für derzeit neun feste Künstlerinnen und Künstler aus Geldern und vom Niederrhein aus den Bereichen Musik, Video, Foto, Graffiti, Malerei und Schriftstellerei. Ich bin heute zu Gast beim ersten Probelauf eines neuen Formats, einer Musiksession, die aufwendig gefilmt und demnächst im Netz veröffentlicht wird. (Mittlerweile online.)

„Im Habitat sind alle große Musikfans und viele auch aktive Musiker“, erklären Roy und Mattez. „Da kommt schon eine ganze Menge Output zusammen, den wir gerne der ganzen Welt zeigen möchten. Also haben wir uns ein Konzept überlegt und wollen nun eine ordentliche Liveshow auf die Beine stellen.“ Nach einem trockenen Versuch im September ist es jetzt ernst geworden. Die heutige Test-Session wird noch aufgezeichnet, beim nächsten Mal soll alles live gestreamed werden – wie ein richtiges Konzert eben.

Für ihr Engagement im Rahmen des Paint On Walls Festivals hat die Stadt Geldern dem Habitat-49-Kollektiv im Dezember 2022 den Heimatpreis verliehen. Die dritte Festivalrunde ist bereits in Planung – derzeit sondieren die Kreativlinge einen neuen Ort, der ein größeres Happening möglich macht.

Währenddessen brodelt es unaufhörlich im Habitat’schen Hexenkessel: Buch-, Alben- und Single-Releases, Live-Shows und Sessions stehen für 2023 auf dem Programm. Auch an unserem KPiP-Festival rund um den Spanischen Vallan im Rheinberger Stadtpark wird das Kollektiv beteiligt sein.

Wie ich so da sitze, mit dem Kopf nicke und den Beinen wackle, während die Mikros über die Bühne fliegen, überkommt mich ein Gefühl zurückhaltender Zufriedenheit. Die Subkultur, die Untergrund-Kunst, die freie Szene am Niederrhein wächst nicht nur stetig in die Höhe, sondern auch zusammen. Unser Kulturnetzwerk erstreckt sich über viele Städte, Generationen, Genres und Kunstformen – und es lässt sich nicht mehr aufhalten. Auch wenn man manchmal den Eindruck bekommt, dass pedantische Bürokraten, kafkaeske Korinthenkacker und visionslose Wuchtbremsen versuchen, den Weltverhinderungspreis gegen die Lebendigkeit für sich zu beanspruchen. Vielen Dank an dieser Stelle allen, die trotzdem auf ihre Art gießen, was blühen will.

Alle Fotos (c) Renan Cengiz mit freundlicher Genehmigung des Habitat 49.

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Ich bin nicht lieb! Aloys Cremers, Kerouac und das Nichts am Niederrhein (Teil 1)

Es beginnt mit einem Knall. „Es muss knallen, wenn Menschen aufeinander treffen, das setzt Energie frei, Eigenenergie, die beste Energie von allen“, sagt Aloys Cremers mit großen, leuchtenden Augen. Wir trinken Koffie in Aloys’ Dachgeschosswohnung in Rheinberg-Annaberg. Auf dem Tisch stapeln sich Entwürfe, Skizzen, Fragmente und seine Cahiers – „das ist, wo ich alles reinschreibe, -zeichne, zeitweise fast wie Tagebücher“.

Wir kennen uns schon ein paar Jahre, Aloys Cremers, der Künstler, Gestalter, Unternehmer, Störer und Visionär, und ich, Renan, Kulturtyp, auch irgendwie sowas wie ein Künstler und angeblich Publizist. „Ich weiß gar nicht, was genau ein Publizist macht“, sagt Aloys, „aber ich nehme an, etwas publik machen, und darum geht es mir“. Nicht nur der Tisch, an dem wir sitzen, jedes Zimmer quillt über vor lauter Lebenswerk. Und das ist nur ein Teil – eine ganze Reisetasche voll hat er im Dezember verloren, aber die sucht er nicht, er wartet lieber darauf, dass er sie findet. Aloys ist dabei, alles zu ordnen, seinem Lebenswerk Formen zu geben: „Ich weiß nicht, wie lange ich noch hab! Und da kommst du ins Spiel.“

Für viele in Rheinberg ist Aloys Cremers „dieser verrückte Künstler“. Kaum jemand hier weiß, dass er auf der ganzen Welt bekannt, von Connaisseurinnen und Kennern geschätzt und besonders am Niederrhein so wirkmächtig war und ist wie kaum ein lebender Kunstmensch. Oft wird er mit seinem verstorbenen Kollegen Beuys verglichen, dem berühmten Beuys, den er zwar nie getroffen hat, aber dafür seine Schirmherren, die van der Grintens. Klar ist: Aloys Cremers steht für sich, und dass er Beuys nie getroffen habe, sei vielleicht auch gut so: „Wir hatten viel gemein und waren für manche auch zu stark […], zwischen uns hätte es auch knallen können“, erzählt er.

Bei unseren ersten Treffen über die letzten Jahre hat Aloys viel aus seinem Leben geteilt: Von seiner Lust zu wirken, seinen umgesetzten Projekten, seiner Vergangenheit und seinen Berührungspunkten mit großen Namen von Hüther bis Hemmingway – und von seinem Frust, abgewirkt zu werden, von gescheiterten Projekten, erstickten Ideen und allem Unumgesetzten. „Aber das ist nicht so schlimm, das gehört auch dazu“.

Im Zentrum seines Schaffens steht Nichts, und das können viele nicht greifen. „Nach 20 Jahren international aktiv als ,Creativ Troubleshooter’, bekannt mit Wandel und Wirkung von Markt, Kultur und Wirtschaft und deren Zusammenhang“, erklärt Cremers in seinem Buch „ALLES oder NICHTS“, sei er Anfang der 1990er Jahre wieder am Niederrhein gelandet, und da fiel ihm etwas auf: „Hier am Niederrhein er-fahre ich intensiv die Landschaft, die Menschen und deren ungenutzte Ressourcen. Alle kollektiv überzeugt von ihrer Unfähigkeit: Geht hier nicht, kann hier nicht, darf hier nicht. Ergo: Nichts ist hier möglich! Ein gigantischer Markt! Meine Vision: Mit Nichts Menschen bewegen. Mein Art-Concept Nichts: Ein Kunststück für sich in einem Land, wo’s um’s Schaffen geht.“ [Hervorhebungen entspr. dem Originaltext]

ALLES oder NICHTS! (c) Aloys Cremers, ganzes Buch: www.aloys-cremers.de/aloys-cremers.de/alles_oder_nichts.html

„Wer ihn einordnen will muss sich lange und ausführlich mit ihm beschäftigen“, konstatierte die Bürgerzeitung Duisburg. Den Atem hat nicht jede:r. Manchen ist Cremers zu frei, zu rebellisch, zu ungestüm, anderen zu viel, zu voll (mit Nichts!), zu versponnen. Mir nicht. Und damit bin ich zum Glück in guter Gesellschaft:

„Ein Empathiker par excellence“ sei Cremers, so der Soziologe Prof. Dr. Peter Fuchs, der ihm die „deutliche Undeutlichkeit eines Mystikers“ attestierte. Die niederrheinische Presse- und Publizistikikone Dr. Wilhelm Cuypers bezeichnete Cremers als weitgereisten, weiterfahrenen Tausendsassa und Ideenproduzenten, während Willi Teloo, Ex-Marketingmanager der Volksbank sowie Kunst- und Kulturmotor Gelderns, ihn charakterisiert als einen der „explosivsten Menschen, den ich kenne, dabei von einer Ideenvielfalt, die den Zuhörer beinahe erschlägt. Bei der Beurteilung seiner Gedanken und Ideen ist man als Außenstehender hin- und hergerissen zwischen den Urteilen genial und verrückt.“

Für die Kulturjournalistin und Autorin Elke Siemund ist Aloys „ein seltener und wertvoller Schatz in der Welt der Kunst, weil er die künstlerische Kreativität hervorruft und anspricht, die in allen Menschen wohnt, das Wissen um gemeinsame archetypische Formen, ein Gefühl für Echtheit und Originalität“. Und der Kunstwissenschaftler, Künstler und Autor Prof. Dr. Hans Brög sagt über Cremers gar, er sei „unter einigen Aspekten betrachtet der außergewöhnlichste Künstler, den ich kenne. […] Diese Begabung, PR-Mann in eigener Sache für eine Sache zu sein, gelingt nur wenigen Künstlern […].

Ein Egomane aber, was man auf den ersten Blick glauben könnte, ist er nicht. Sein eigentliches Anliegen ist es, seine Fähigkeiten in den Dienst der Menschen zu stellen, die mit ihm zu tun haben. Er animiert zur kreativen Arbeit. […] Nicht zuletzt ist Aloys Cremers Lehrer. […] Seine Aufmerksamkeit gilt den individuellen Ansätzen, die er erkennt, fördert, entwickelt […]. Mit Kraft und Energie, in Selbstlosigkeit und mit Schlitzohrigkeit setzt Aloys Cremers durch, was er mit seiner Kompromisslosigkeit, wenn es ums Wesentliche geht, für notwendig hält. Egal auf welche Weise man Aloys Cremers unterstützt, man kann sicher sein, dass es einer guten Sache nutzt.“

Über 80-mal ist Aloys in seinem Leben umgezogen, immer on the road. „On the road am Niederrhein, von Kerouac bis Kevelaer“ – das ist auch der Arbeitstitel, unter den Cremers sein geschriebenes und gezeichnetes Lebenswerk stellt: Rund 400 handverfasste Künstlerbücher, deren Inhalte er nun sortiert, einordnet, ausstellen und publizieren möchte. Denn, wir erinnern uns: Keiner weiß, wie lange er noch hat.

Jack Kerouac, dessen Werk „On the road“ (dt.: Unterwegs) den Titel von Cremers Gesamtwerk inspirierte, ist übrigens einer der Berühmten, die Aloys während seiner Arbeit für das US-amerikanische Kunstmagazin The Paris Review kennenlernte – neben „zum Beispiel Nabokov, Hemmingway, Gage und John dos Passos“. Und es gibt noch so viel mehr Spannendes zu erzählen aus dem Leben dieses Mannes.

Als Publizist, was auch immer man da genau macht, trage ich, nachdem es nun geknallt hat zwischen Aloys und mir, meinen Teil dazu bei, das ganze schöne Nichts begreifbarer zu machen, das Aloys ins Wallen und Wirken gebracht hat. Wenn Ihnen gefallen hat, was Sie hier gelesen haben, und Sie weitere Einblicke dieser Art in das Werk Aloys Cremers’ nicht scheuen – etwa in das Wesen der Grenzspraak, das Konzept von KUHnst und andere Nichtigkeiten –, abonnieren Sie gern diesen Blog. (Falls Sie nicht wissen, wie das geht, schreiben Sie mir einfach eine Nachricht.) Und schauen Sie doch mal auf Aloys’ Website vorbei: www.aloys-cremers.de Die ist zwar nicht ganz aktuell, aber es gibt trotzdem eine Menge Nichts zu sehen.

Hier geht es weiter zu Teil 2 der Reihe: Turmult und KUHnst am Niederrhein
Teil 3 finden Sie hier: Assertivität und Eigenenergie: die Zukunft entsteht zwischen den Ohren

Alle Artikel zu Aloys’ Wirken und Ideen finden sich im Schlagwortarchiv.

Aloys Cremers vor einer bunt bemalten Leinwand in seinem Atelier in Rheinberg-Annaberg, Januar 2023 (Foto: Renan Cengiz)
Aloys Cremers in seinem Atelier am Annaberg, Januar 2023 (Foto: Renan Cengiz)
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